Der traditionelle Führer der Herero, Vekuii Rukoro, wurde nach eigener Aussage nicht zu einer Zeremonie nach Deutschland anlässlich des Völkermords an den Herero und Nama eingeladen. Die Bundesregierung werde für eine 25 Personen große Delegation aus Namibia die Kosten für Anreise und Unterkunft übernehmen, sagte Rukoro. "Mein Name wurde ausgeschlossen, weil ich gegen Deutschland vor Gericht gezogen bin." Von deutscher Seite gab es zunächst keine Bestätigung, dass Rukoro nicht eingeladen sei.

Für Ende August ist in Berlin eine Zeremonie geplant, bei der Vertretern aus Namibia mehrere Schädel übergeben werden sollen, die aus der Zeit der deutschen Kolonialherrschaft im damaligen Deutsch-Südwestafrika (1884–1915) stammen. Die Schädel ermordeter Angehöriger der Stämme Herero und Nama gingen teilweise in den Besitz deutscher Museen über. Die evangelische Kirche organisiere die Veranstaltung, hieß es vom Übersee-Museum in Bremen. Das Museum besitzt zwei der Schädel.

Herero-Führer Rukoro sagte, dass bei der Rückführung der Schädel bestimmte religiöse Rituale eingehalten werden müssten. Diese müssten von Priestern durchgeführt werden und "nicht von irgendeinem Hinz und Kunz". Rukoro ist seit 2014 Paramount Chief der Herero. Der Titel heißt übersetzt Oberhäuptling.

Die afrikanischen Volksgruppen Herero und Nama haben Deutschland in New York auf Schadensersatz verklagt. Deutsche Truppen hatten in Deutsch-Südwestafrika laut Historikern 65.000 der 80.000 Herero und mindestens 10.000 der 20.000 Nama getötet. Vor zweieinhalb Jahren sprach die Bundesregierung erstmals offiziell von einem Völkermord, lehnt Entschädigungszahlen aber bislang ab.

In einer gerichtlichen Anhörung in New York wurde das Thema an diesem Donnerstag verhandelt. Deutschland hatte beantragt, die Klage der Herero und Nama zu verwerfen, weil die USA nicht zuständig seien. Die Kläger argumentieren hingegen, dass die deutsche Reichsregierung mit Einnahmen aus dem Landraub an den Herero und Nama in New York Immobilien erworben habe. Bundesrichterin Laura Taylor Swain sagte am Ende der Anhörung, sie werde noch nicht über den Antrag der Bundesregierung entscheiden. Ein Datum für ihre Entscheidung gab sie nicht bekannt.