Sollen abgelehnte Asylbewerber die Chance bekommen, als Fachkräfte in Deutschland zu bleiben? Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) sehen einen solchen möglichen "Spurwechsel" skeptisch. "Es gibt unterschiedliche Regeln für die Zuwanderung aus humanitären Gründen und für Arbeitskräfte", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Bei dieser Zweiteilung "sollte es grundsätzlich auch bleiben".

Er reagierte damit auf Forderungen aus SPD und Opposition, aber auch von CDU-Politikern, etwa des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther. Sie hatten gefordert, gut integrierten Flüchtlingen auch bei einem negativen Asylbescheid die Fortsetzung einer Ausbildung oder einer Erwerbstätigkeit zu gestatten. Seibert deutete mit Blick auf den Fachkräftebedarf in Deutschland mögliche Ausnahmen an: Welche Regelungen sich im Einzelnen ergeben könnten, "dem will ich nicht vorgreifen".

"Wir sind für eine klare Trennung zwischen der humanitären Aufnahme und der Arbeitskräftemigration", sagte auch eine Sprecherin des Innenministeriums. Wenn man beides miteinander verknüpfe, "dann wäre eine Steuerung nicht mehr möglich". Auch in einem ersten Gesetzentwurf für ein Einwanderungsgesetz wird dieser Wechsel nicht explizit genannt.

Die Sprecherin verwies auf bereits bestehende Möglichkeiten zur Arbeitsaufnahme auch ohne eine Anerkennung als Flüchtling. Sie nannte die Duldung während eines Ausbildungsverhältnisses, Sonderregelungen für Geduldete nach mindestens sechs Jahren sowie Regelungen für Heranwachsende mit deutschem Schulabschluss.

Befürworter des sogenannten "Spurwechsels", darunter auch viele Wirtschaftsvertreter, argumentieren, dass es keinen Sinn ergebe, gut integrierte Flüchtlinge mit Deutschkenntnissen abzuschieben, wenn sie zugleich als dringend benötigte Fachkräfte eingesetzt werden könnten.