Die wochenlange Dürre in vielen Regionen Deutschlands hat in der Landwirtschaft Schäden von mehr als einer Milliarde Euro verursacht. Das ergeben erste Schätzungen der Bundesländer. Demnach summieren sich die Meldungen mehrerer teils stark betroffener Bundesländer auf 1,1 Millionen Euro. 

Allein für Schleswig-Holstein meldete das dortige Agrarministerium einen geschätzten Dürreschaden von 422 Millionen Euro an den Bund. Sachsen übermittelte geschätzte Schäden in Höhe von rund 308 Millionen Euro, Sachsen-Anhalt von 237 Millionen Euro. Das Landesagrarministerium in Hessen geht davon aus, dass die Ernteausfälle bei bis zu 150 Millionen Euro liegen.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hatte die Länder aufgerufen, über Schäden und vorgesehene Hilfen zu informieren. Am Montag wollen Ministeriumsexperten von Bund und Ländern erneut über die Lage beraten, nachdem sie Ende Juli eine erste Bestandsaufnahme gemacht hatten. Entscheidungen zu Hilfen wird es bei dem Treffen voraussichtlich nicht geben.

Bereits vor zwei Wochen hatte Klöckner angekündigt, erst dann über Bundeshilfen für die Bauern zu entscheiden, wenn Ende August die Erntebilanz ihres Ministeriums mit detaillierten Angaben zu den Schäden vorliegt. Die Auszahlung von Hilfen durch den Bund sei nur auf Grundlage gesicherter Fakten möglich, sagte die Agrarministerin dem Spiegel. "Ich kann nicht ohne repräsentative Zahlen, Daten und Fakten den nationalen Notstand ausrufen und nach Gefühl Zahlungen veranlassen."

Staatliche Maßnahmen sollen Ausnahme bleiben

Der Bauernverband hat von der Bundesregierung Hilfen in Höhe von einer Milliarde Euro für Landwirte gefordert, die wegen der Trockenheit schwere Ernteausfälle erleiden. Diesem Druck werde sie sich aber nicht beugen, sagte Klöckner. Als Landwirtschaftsministerin sei sie Teil der Bundesregierung und nicht ausführendes Organ des Bauernverbandes. Bauern seien zwar systemrelevant für die Gesellschaft, weil sie Lebensmittel produzierten. "Landwirte sind aber auch Unternehmer und müssen ein modernes Risikomanagement führen", sagte Klöckner der Neuen Osnabrücker Zeitung. Staatliche Maßnahmen sollten weiterhin die Ausnahme bleiben.

Zuständig für Nothilfen an Landwirte sind zuerst die Länder. Nur wenn bei der Erntebilanz im August festgestellt werde, dass es sich um Schäden von nationalem Ausmaß handelt, käme der Bund für die Schäden auf, sagte Klöckner. Zuletzt war dies 2003 wegen einer Dürre der Fall. Der Bund und mehrere Länder stellten damals insgesamt 72 Millionen Euro bereit. Viehhaltern, bei denen das Futter akut knapp wird, hat Klöckner nun schnellere Hilfen von Bund und Ländern in Aussicht gestellt.