Bei der turnusmäßigen Wahl des Unionsfraktionsvorsitzenden Ende September muss der langjährige Amtsinhaber Volker Kauder (CDU) in eine Kampfabstimmung. Der bisherige Fraktionsvize Ralph Brinkhaus (CDU) sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, dass er gegen den Vertrauten von Kanzlerin Angela Merkel antreten will.

Dabei hat Kauder die Unterstützung von Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer, wie der Spiegel kurz zuvor berichtete. Auch die Deutsche Presse-Agentur erfuhr, dass Merkel dem 68-jährigen Baden-Württemberger zusicherte, ihn wieder als Fraktionschef vorzuschlagen. Seehofer habe Kauder im Gespräch zugesagt, ihn unterstützen zu wollen.

Kampfkandidaturen um den Fraktionsvorsitz sind möglich, aber in der Union sehr ungewöhnlich. Bislang war es üblich, dass die Kanzlerin der Fraktion einen Kandidaten vorschlägt und die Abgeordneten dieser Empfehlung folgen. Seit 13 Jahren führt Kauder die Fraktion.

Der Finanzexperte der Fraktion Brinkhaus sagte den Funke Zeitungen: "Ja, es ist richtig: Ich habe für die anstehende Wahl des Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion mein Interesse angemeldet. Das sollte in einer Demokratie kein ungewöhnlicher Vorgang sein." Er habe in seinen Gesprächen "viele positive Rückmeldungen" bekommen, sagte der 50-jährige Steuerberater aus Gütersloh. Wie groß sein Rückhalt in der größten Bundestagsfraktion ist, ist unklar.

Über eine Kandidatur von Brinkhaus gegen Kauder war in den vergangenen Tagen immer wieder spekuliert worden, er hatte sich bis heute aber nicht dazu geäußert. Er führe zur Zeit "intensive Gespräche" und halte es für richtig, "in einem ersten Schritt intern miteinander zu sprechen". Zu den Gründen der Kandidatur äußerte sich Brinkhaus nicht.

In der Bild-Zeitung zeigte sich der Merkel-kritische Abgeordnete Klaus-Peter Willsch erfreut über Brinkhaus' Ambitionen. Dieser sei eine "ausgezeichnete Wahl". Der CDU-Parlamentarier Michael von Abercron sprach sich ebenfalls für die Kandidatur von Brinkhaus und die "Erneuerung an der Fraktionsspitze" aus. Auch sein ostdeutscher Kollege Sepp Müller will Brinkhaus wählen und damit "einen Generationswechsel einleiten".

Schon nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der Bundestagswahl war Kauder bei der Wiederwahl des Fraktionschefs abgestraft worden. Der Baden-Württemberger hatte nur 77 Prozent erhalten, nachdem er zuvor Zustimmungsquoten von meist weit über 90 Prozent hatte. 2013 hatte er sogar 97,4 Prozent geholt.

Brinkhaus sitzt seit 2009 im Bundestag und ist seit 2016 auch stellvertretender Vorsitzender der nordrhein-westfälischen CDU. Allerdings versagt ihm sein eigener Landesverband die Unterstützung. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident und CDU-Bundesvize Armin Laschet (CDU) hatte am Donnerstag erklärt: "Es gibt keine Notwendigkeit, Kauder abzulösen." Brinkhaus habe weder mit ihm, noch mit dem CDU-Landesverband oder mit der Landesgruppe im Bundestag über seine Pläne gesprochen, sagte Laschet. Er habe sich selbst ins Gespräch gebracht.