Die Bundesregierung will Modellprojekte zum Nahverkehr in fünf Städten fördern, um langfristig die Luftverschmutzung zu bekämpfen. Mit fast 130 Millionen Euro sollten dafür in den Städten Bonn, Essen, Herrenberg, Mannheim und Reutlingen Verkehrsvorhaben gefördert werden, teilten Verkehrsminister Andreas Scheuer und Umweltministerin Svenja Schulze mit.

Alle fünf Städte planen, die Preise für den Nahverkehr zu senken: So hat Bonn ein "Klima-Jahresticket" angekündigt, das pro Tag einen Euro kosten soll. In Essen soll es Prämien beim Abschluss von Fahrkarten-Abonnements über mehrere Monate geben. Geplant sind zudem neue Bus- und Bahnhaltestellen, einer verdichteter Takt der Abfahrtszeiten der öffentlichen Verkehrsmittel und der Bau von Fahrradstraßen. Die Stadt Herrenberg führt eine Mobilitäts-App fürs Smartphone ein und will seine am meisten befahrene Straße ausbauen und durch eine digitale Verkehrslenkung mit flexiblen Geschwindigkeitsbeschränkungen den Verkehr flüssiger machen.

Laut Verkehrsminister (CSU) seien diese Maßnahmen wichtige Anreize, das Auto stehen zu lassen und den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Umweltministerin Svenja Schulze sagte: "Nur, wenn wir für saubere Luft sorgen, können wir auch Fahrverbote vermeiden. Die Richtung des Weges stimmt, aber wir sind noch nicht am Ziel." Es sei an der Zeit, dass die Autohersteller ihrer Verantwortung nun gerecht würden.

Nach Angaben des Verkehrsministeriums bekommt Bonn zur Umsetzung der Projekte für die Jahre 2019 und 2020 39,34 Millionen Euro. An Mannheim gehen 28,37 Millionen Euro, an Essen 21,22 Millionen Euro, an Reutlingen 19,22 Millionen Euro und an Herrenberg 4,52 Millionen Euro. Somit sind zunächst nur 112,7 Millionen Euro verplant, der Rest bleibt im Fördertopf für das Vorhaben.

Mit den Maßnahmen wollte die Bundesregierung ursprünglich einer Klage der EU-Kommission wegen der anhaltend zu hohen Schadstoffbelastung der Luft in vielen Innenstädten entgehen. Auch der kostenlose Nahverkehr wurde in diesem Zusammenhang vorgeschlagen. Trotzdem legte die Kommission Klage ein.