Die CSU hat den Landtagswahlkampf in Bayern schon am Tag nach der Bundestagswahl im September 2017 eröffnet. Da erlebten die Christsozialen mit 38,8 Prozent eine bittere Niederlage – seitdem geht die Angst um, dass es bei der Landtagswahl im Oktober ähnlich kommen könnte. Der Hauptgegner war schnell  identifiziert. Eine "rechte Flanke" gelte es zu schließen, kündigte Parteichef Horst Seehofer noch am Wahlabend an. Im Fokus stand vor allem eine Partei: Unbayerisch sei die AfD, grollte Generalsekretär Markus Blume, und sprach von "braunem Schmutz".

Die CSU hat seitdem viele Debatten geführt: über die Obergrenze, den Familiennachzug für Flüchtlinge, Anker-Zentren, einen sogenannten Masterplan Migration und die Zurückweisungen an den deutschen Grenzen. Der Bayerische Landtag hat jüngst sogar die landeseigene Grenzpolizei reaktiviert.

Und die AfD? Sie liegt in Umfragen in Bayern mit 13 Prozent stabil auf dem dritten Platz. Die Versuche der CSU, der AfD Wahlkampfthemen streitig zu machen, haben sich für die Christsozialen wohl nicht ausgezahlt. Vielmehr scheinen die Rechtspopulisten davon zu profitieren, dass der Streit der CSU mit Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel beide Parteien Glaubwürdigkeit gekostet hat.

"Unser bester Wahlkampfhelfer sitzt in der Münchner Staatskanzlei"

"Semantisch spielt die CSU der AfD in die Hände, indem sie dieselben Schlagworte nutzt", sagt der etwa der Mainzer Politologe Jürgen W. Falter. Horst Seehofer hatte von der "Herrschaft des Unrechts" gesprochen – ein Ausdruck, der sich so auch im AfD-Wahlprogramm wieder findet. Auch Worte wie "Anti-Abschiebeindustrie", von der Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sprach, oder "Asyltourismus" gehören nun zum Wortschatz der AfD.

"Die AfD hält, was die CSU verspricht", plakatierte die AfD schon im Bundestagswahlkampf. "Unser bester Wahlkampfhelfer sitzt in der Münchner Staatskanzlei", höhnte der damalige AfD-Landesvorsitzende Petr Bystron über Horst Seehofer, als der noch Ministerpräsident war.

Inzwischen ist der Nürnberger Bundestagsabgeordnete Martin Sichert Landeschef der AfD. Doch auch er findet: "Die AfD treibt erfolgreich die anderen vor sich her." Die Partei kritisiert etwa die bayerische Grenzpolizei, die Ministerpräsident Markus Söder eingeführt hat: Diese dürfe ja nur im Einvernehmen und als Unterstützung der Bundespolizei tätig werden. Den Koalitionskompromiss bei der Frage der Zurückweisungen an der Grenze, die Transitzentren und die bilateralen Abkommen, nennt die AfD "Pseudo-Erfolgsmeldung" der CSU.

Treibt die CSU der AfD Wähler zu? Die AfD ist stark in Bayern, aber trotzdem: "Ein ‘Seehofer-Effekt’ ist bei der AfD bisher nicht feststellbar", sagt der Politologe Falter. Mit 13 Prozent in Bayern in den Umfragen liegt die AfD Bundestrend. Außerdem war sie auch schon im Mai in den Erhebungen so stark wie nach dem Asylstreit Anfang Juli.

Und auch wenn sie wie bei anderen Wahlen viele Stimmen von den Unionsparteien abziehen dürfte: den größten Zuwachs bekommt die AfD stets aus dem Nichtwählerlager. So könnte es auch in Bayern kommen.

Die AfD verzichtet auf einen Spitzenkandidaten

Erst 2017 hat der knapp 5.000 Mitglieder große AfD-Landesverband eine Krise bewältigt. Als unbekannte Konten auftauchten, trat der Schatzmeister zurück. Für die Landtagswahl am 14. Oktober hat die Partei nun bewusst auf einen Spitzenkandidaten verzichtet. Stattdessen soll ein Team der bekanntesten Funktionäre den Wahlkampf bestreiten. "Einen gesamtbayerischen Spitzenkandidaten oder ein Spitzenteam zu wählen, wäre reine Symbolik", sagt Katrin Ebner-Steiner, eine der bekannteren AfD-Kandidatinnen. "Die Wähler in Bayern wollen klare programmatische Ansagen und bekannte AfD-Gesichter im Wahlkreis. Die vermissen keinen Kandidaten-Superstar."

Dabei ist die 40-jährige Ebner-Steinert bereits selbst berühmt: Zur Bundestagswahl errang die Bilanzbuchhalterin in ihrem Wahlkreis Deggendorf mit fast 20 Prozent das beste AfD-Ergebnis in ganz Westdeutschland. Berührungsangst mit dem rechten Rand der Partei hat sie keine: Sie traf sich mit dem Thüringer AfD-Nationalisten, den sie als den "lieben Björn" Höcke ansprach.

Welche Themen setzt die AfD?

Das Bayern-Wahlprogramm liest sich ähnlich wie andere Programme. Es geht viel um Flüchtlinge, den Islam und Zuwanderung. Illegale Migration etwa soll durch "bilaterale Grenzraumkontrollen" eingegrenzt werden – "ein urbayerisches Thema", wie Ebner-Steiner findet. 

Im katholischen Bayern macht die AfD aber auch Stimmung gegen die Kirchen. Sie prangert die Staatsfinanzierung an und will die Staatskirchenverträge aufkündigen. Andersgläubige oder die große Mehrheit der Atheisten genössen derlei finanzielle Vorteile auch nicht, heißt es im Wahlprogramm. Beim Bundesparteitag der AfD in Augsburg Anfang Juli wurde öffentlich zum Kirchenaustritt aufgerufen. Auch, wenn Ebner-Steiner jüngst relativierte, das Programm sei nicht als Angriff auf die Kirchen zu verstehen.

Die AfD will nach der Wahl nicht mitregieren. Eine Koalition mit der CSU hat Ebner-Steiner ausgeschlossen. Eine Stimme für die AfD ist also eine für die Opposition. Und deren Macht ist begrenzt. Die Alternative dürfte auch aus dem Motiv heraus gewählt werden, andere Parteien unter Druck zu setzen.

Und die CSU? Macht einen getriebenen Eindruck – statt stärker die Unterschiede zur AfD herauszuarbeiten, die Kirchenfeindlichkeit, den Nationalismus oder die geringe Verwurzelung im Land.