Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat am Wochenende viel Kritik einstecken müssen. Seine Forderung, dass die CDU im Osten nach den Landtagswahlen 2019 auch mit der Linken reden müsse, wenn andernfalls keine Regierung zustande komme, stieß auf breite Ablehnung in seiner eigenen Partei. Die CDU-Generalsekretärin versuchte gar, die Debatte mit einem Machtwort zu beenden: "Wir lehnen eine Zusammenarbeit mit Linken und AfD weiterhin ab", sagte Annegret Kramp-Karrenbauer. Unterstützung bekam sie dafür am Montag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) höchstselbst.

Doch so schnell wird die CDU das Thema nicht wieder loswerden. Nicht nur, weil ostdeutsche CDU-Landeschefs wie Vincent Kokert aus Mecklenburg-Vorpommern und Ingo Senftleben aus Brandenburg sich trotz des Vetos der Parteispitze vorsichtig trauen, anderer Meinung zu sein. Der wichtigere Grund liegt in der zunehmenden Zersplitterung der Parteienlandschaft. Nicht nur im Osten, aber dort besonders, wird es immer schwieriger, stabile Zweierregierungskoalitionen nach bisher gängigen Mustern zu bilden. Das zwingt alle Akteure, lange gepflegte Vorurteile zu hinterfragen.

Auch eine Zusammenarbeit mit den Grünen schien für die CDU lange unvorstellbar, heute ist sie längst eine Option unter vielen. Zugegeben, die Hürden zur Linken sind höher. Gegen die Kommunisten aus dem Osten zu sein, gehörte für die CDU schließlich seit ihrer Gründung 1945 zu den elementaren Bestandteilen ihres Selbstverständnisses. Gerade in Zeiten, in denen die Partei ohnehin damit hadert, wofür sie nach all den Merkel-Reformen eigentlich noch steht, droht eine Zusammenarbeit mit der Linken die Restbestände ihres konservativen Flügels endgültig in die Abspaltung zu treiben.

Die Linke ist nicht mehr die alte SED

Und trotzdem ist die Debatte, die die CDU nun führt, für die Partei notwendig. Denn die Linke von heute hat mit der SED von einst kaum noch etwas zu tun. Sehr deutlich wurde dies auf dem letzten Parteitag der Linken. Dort prägten junge Menschen, Frauen und Migranten das Bild. Alte Männer mit DDR-Biografie kamen dort – sieht man von einem Auftritt von Gregor Gysi ab – so gut wie gar nicht mehr vor. Im kommenden Jahr wird der Mauerfall 30 Jahre zurückliegen. Im Osten wird dann erstmals eine ganze Generation aufgewachsen sein, die die SED-Herrschaft nur noch aus den Geschichtsbüchern kennt.

Der Verweis auf die historische Schuld, die die Vorgängerpartei SED ohne Zweifel auf sich geladen hat, kann heute also nicht mehr ausreichen, um zu begründen, warum man mit den Linken nicht zusammenarbeiten kann. Entscheidend müssen andere Fragen sein: Handelt es sich um eine rechtsstaatliche Partei, die auf dem Boden des Grundgesetzes steht, und gibt es überhaupt ausreichend politische Gemeinsamkeiten?

Ersteres wird die CDU kaum ernsthaft bestreiten können. Die Linke hat in den vergangenen Jahren im Osten immer wieder mitregiert, in unterschiedlichen Konstellationen. Derzeit stellt sie in Thüringen gar den Ministerpräsidenten. Die Demokratie geriet dabei nirgendwo in Gefahr. Anders als die AfD pflegt die Linke auch keine fremdenfeindlichen Ressentiments oder stellt Grundrechte wie die Religionsfreiheit infrage. Die CDU täte deswegen gut daran, die ständige Gleichsetzung von AfD und Linken, wie auch die Generalsekretärin sie nun wieder betrieben hat, zu überdenken.