SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hat wegen der Fehler im Fall des Gefährders Sami A. indirekt den Rücktritt des nordrhein-westfälischen Innenministers Herbert Reul (CDU) gefordert. "Die politisch Verantwortlichen in der NRW-Landesregierung müssen daraus auch persönlich Konsequenzen ziehen", sagte Klingbeil. "Wenn Politik und Behörden sich über Gerichtsentscheidungen einfach hinwegsetzen, ist der Rechtsstaat in Gefahr." Dieser Fall sei beschämend für das Land.

Umstritten ist vor allem Reuls Aussage gegenüber der Rheinischen Post. Er hatte gesagt, Richter sollten "immer auch im Blick haben, dass ihre Entscheidungen dem Rechtsempfinden der Bevölkerung entsprechen". Das Oberverwaltungsgericht Münster hatte geurteilt, dass der  mutmaßliche Gefährder Sami A. nach Deutschland zurückgeholt werden müsse. Reuls bezweifelte, dass die Entscheidung dem Rechtsempfinden der Bevölkerung entspreche. "Wenn die Bürgerinnen und Bürger Gerichtsentscheidungen nicht mehr verstehen, ist das Wasser auf die Mühlen der Extremen."

Auch der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner forderte den Rücktritt Reuls. Wer absichtlich oder fahrlässig "unsere Rechtsstaatlichkeit in Frage stellt, sollte kein politisches Amt innehaben", sagte Stegner der Neuen Westfälischen. Die Unabhängigkeit deutscher Gerichte sei "kein Luxus, den man sich gönnt, sondern eine Säule unseres Staatswesens." Richterinnen und Richter seien deshalb nur der Verfassung, dem Recht und Gesetz verpflichtet.

In der Kritik steht auch NRW-Flüchtlingsminister Joachim Stamp (FDP), in dessen Verantwortung die Abschiebung von Sami A. fällt. Der Gefährder wurde am 13. Juli nach Tunesien abgeschoben – zu Unrecht, wie das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht (OVG) letztinstanzlich entschieden hatte. Die deutschen Behörden müssen den 42-Jährigen nun auf Staatskosten nach Deutschland zurückholen. Gegen Stamp gibt es auch Rücktrittsforderungen, diese wies der FDP-Politiker aber ab: "Den Vorwurf, ich hätte das Gericht getäuscht, weise ich entschieden zurück", sagte er.