Die Junge Alternative (JA) hat den Landesvorsitzenden ihres niedersächsischen Verbands des Amtes enthoben. Das teilte der Bundesvorsitzende der AfD-Jugendorganisation über seinen Sprecher mit. Demnach gab das Bundesschiedsgericht einem entsprechenden Eilantrag des JA-Bundesvorstands bereits am Dienstag statt: Lars Steinke muss sein Amt mit sofortiger Wirkung niederlegen. 

In einem nicht öffentlich einsehbaren Facebook-Beitrag hatte der 25- Jährige den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg als "Feigling" und "Verräter" diffamiert. In Interviews bestätigte Steinke, dass er diesen Text selbst geschrieben hat, in dem es unter anderem heißt, das gescheiterte Attentat auf Hitler sei "der beschämende Versuch eines Feiglings" gewesen, "die eigene Haut vor dem kommenden Sieger zu retten". Der Braunschweiger Zeitung sagte der bisherige JA-Landesvorsitzende: "Ich kann den Heldenkult um Stauffenberg nicht verstehen." 

Kurz nach Bekanntwerden des Beitrags sprach sich Bundestagsfraktionschef Alexander Gauland für einen Parteiausschluss Steinkes aus. Dessen Äußerungen auf Facebook seien "bodenloser Schwachsinn", zitierte ihn ein Sprecher. "Stauffenberg ist ein Held der deutschen Geschichte." Am 20. Juli 1944 hatten der Oberst und andere Wehrmachtsoffiziere vergeblich versucht, Hitler während einer Lagebesprechung im Führerhauptquartier Wolfsschanze mit einer Bombe zu töten und somit das Ende des Zweiten Weltkriegs einzuleiten. Die Aktion misslang, nahezu alle als Verschwörer und Mitverschwörer titulierten Beteiligten wurden getötet oder in den Tod getrieben.

Steinke distanzierte sich bald von seiner Formulierung. Er habe der Partei nicht schaden wollen. Das JA-Schiedsgericht sah es dennoch als erwiesen an, dass ihr Funktionär das öffentliche Ansehen der Organisation durch möglicherweise rechtswidrige Äußerungen vorsätzlich beschädigt und ihr dadurch einen nicht unerheblichen Schaden zugefügt hat.

Der Bundesvorsitzende der Jungen Alternative, Damian Lohr, begrüßte die Entscheidung, die nach Angaben seines Sprechers nicht anfechtbar ist. In der JA sei "kein Platz für die Verunglimpfung deutscher Widerstandskämpfer gegen das NS-Unrechtsregime", ließ Lohr mitteilen. Steinkes Äußerungen stünden "evident im Gegensatz zu den Überzeugungen" der AfD-Jugendorganisation, seien "abstrus, gar rechtswidrig". Lohr befürwortete den Ausschluss seines bisherigen Funktionärskollegen aus der Jungen Alternative "in absehbarer Zeit".