Der kleine Kinosaal in einer Einkaufspassage in Marktheidenfeld ist bis auf den letzten Platz besetzt – obwohl draußen am Ufer des Maines ganz im Norden Bayerns ein warmer Hochsommernachmittag lockt. Drinnen knabbert bürgerliches Publikum in Kakihemden Popcorn und Nachos. Auf dem Programm steht: Markus Söder.

Eine Fanfare posaunt, ein Moderator winkt erwartungsvoll zum Eingang, Applaus, Handykameras blitzen. "Söder persönlich" heißt die Veranstaltungsreihe, mit der Markus Söder seit Monaten durch die bayerische Provinz tourt. Das Format ist immer dasselbe: Söder sitzt im Zwiegespräch in Veranstaltungshallen und plaudert über "Heimat, Glauben, Sicherheit, Soziales und Visionen", wie es die Plakate vor der Tür versprechen.

Mit einer Viertelstunde Verspätung marschiert er in den Kinosaal, nimmt neben seinem Gastgeber hinter einem Tisch Platz, knöpft sich den Trachtenjanker auf und krempelt die Hemdsärmel hoch. Hinter ihm mannshoch der Schriftzug "Markus Söder", selbst das Wasserglas, aus dem er nippt, trägt seinen Namen. Oben fliegen Bilder aus seiner Jugendzeit über die Leinwand. Im Personenkult waren sie immer schon gut bei der CSU.

Söder distanzierte sich vom Asylstreit

Wer ist dieser Mann, der so dringend Ministerpräsident werden wollte? Er sei vom Ehrgeiz zerfressen, soll CSU-Chef Horst Seehofer mal über seinen Konkurrenten aus Franken gesagt haben. Schließlich hat Söder Seehofer aus der Staatskanzlei verdrängt. Vielen galt er statt Seehofer als der Hoffnungsträger der CSU.

Doch der Landtagswahlkampf ist schwierig für ihn: Im Oktober wird Söder seine Partei höchstwahrscheinlich in eine Koalition führen müssen. Die absolute Regierungsmehrheit könnte dahin sein, ein Trauma für die CSU. In Umfragen ist Söder der unbeliebteste Ministerpräsident Deutschlands.

Auch ein Grund dafür: Im Migrationsstreit mit der CDU hat er die Debatte von München aus maßgeblich radikalisiert, sprach von "Asyltourismus" – und merkte dann schneller als die meisten in seiner Partei, wie groß der Schaden einer zügellosen Eskalation sein kann. Er distanzierte sich von sich selbst, schob die Schuld nach Berlin und gibt seitdem den Versöhner und Landesvater. Was will er wirklich? Um diese Frage bei seiner Parteibasis zu beantworten, hat er sich in Marktheidenfeld mehr als eine Stunde Zeit genommen.

"Das Land ist gespalten"

Er redet, wie überall, wo er derzeit auftaucht, erst mal über angenehme Dinge. Die CSU als "stabilen Anker" in unsicheren Zeiten, Trump, Brexit und so weiter. Er lobt seine Regierung für das viele Geld, das Bayern verteilen kann, Landespflegegeld, ein Landesbonus für Hebammen. Geld für Franken sei besonders gut angelegt. Während die Grünen nur Verbote wollten und Berlin das Geld des Südens verbrenne. Erst nach 20 Minuten fällt das Wort Asyl. Söder lehnt sich zurück, blickt nachdenklich und raunt: "Sind wir doch ehrlich, das Land ist gespalten über diese Frage." Und ans Publikum gewandt: "Dabei ist doch alles ganz einfach." Bayern helfe gut und gern, gebe Milliarden für die Integration. Aber: "Bürger sehen, dass Menschen, die gut integriert sind, einfach abgeschoben werden", sagt er. Das verstehe doch niemand. Fast pflichtschuldig sagt er noch: Wer keinen Aufenthalt habe, müsse gehen.

Dafür gibt es Applaus. Auch von zwei älteren CSU-Mitgliedern, die extra aus dem 40 Kilometer entfernten Würzburg angereist sind. "Das mit dem Flüchtlingsstreit mit der CDU hätten sie anders machen sollen. Der Ton war nicht schön", sagt der eine. Söder mache das schon ganz gut, meint der andere. Obwohl sich beide wiederum einig sind: Im Zweifel sollte die CSU die Koalition in Berlin verlassen, wenn es wieder fundamentale Meinungsverschiedenheiten zur Flüchtlingspolitik gebe. "Wenn wir das 2015 gemacht hätten, hätten wir jetzt die AfD nicht."