Angesichts der Überzahl von Gegendemonstranten haben Rechtsextreme einen geplanten Aufmarsch in Berlin-Spandau abgesagt und sind in den Osten der Stadt ausgewichen. Einige Neonazis fuhren nach der Absage der Spandauer Kundgebung in den Berliner Stadtteil Friedrichshain, wo ebenfalls eine Demonstration von Rechtsextremen angemeldet war. Dort zogen am Nachmittag etwa 500 Rechte in Richtung Bahnhof Lichtenberg.

An einer Gegendemonstration im Stadtteil Spandau beteiligten sich mehr als 1.000 Menschen, im Anschluss fand dort ein Demokratiefest mit Tausenden Teilnehmenden statt. "Kein Platz für Nazis" stand auf Luftballons. Ältere Demonstrantinnen hielten Transparente mit der Aufschrift "Omas gegen Rechts" oder "Spandau bleibt nazifrei". Die Polizei ging nach Flaschen- und Steinwürfen gegen einzelne Gegendemonstranten vor. Rangeleien gab es auch, als Gegendemonstranten versuchten, sich den Neonazis in den Weg zu stellen, und von der Polizei abgedrängt wurden. Auch in Berlin-Lichtenberg gab es mehrere Hundert Gegendemonstranten.

Die Demonstrationen richteten sich gegen die jährlich stattfindende Neonaziveranstaltung zum Todestag von Rudolf Heß, der sich am 17. August 1987 im Kriegsverbrechergefängnis in Spandau das Leben genommen hatte. Zudem gelten die Zahlen 1 und 8 in der Neonaziszene als Codes für die Anfangsbuchstaben des Namens von Adolf Hitler, sodass der 18.8.18 als besonderes Datum galt.

Ein Gegenbündnis von der CDU bis zur Linken

Die Gegenkundgebung in Spandau war vom Berliner Bündnis gegen Rechts organisiert worden, an dem zahlreiche Organisationen beteiligt sind. "Wir wollen zeigen, dass wir zu einer ehrlichen Erinnerungskultur stehen und die Verantwortung übernehmen, dass sich die Gräuel der Diktatur des Nationalsozialismus nicht wiederholen. Für eine solche demokratische Gesellschaft stehen wir ein", hieß es in dem Aufruf.

Unterstützt wurde der Aufruf von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller und von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (beide SPD) sowie von Grünen, Linkspartei, CDU und SPD, außerdem Kirchen und Gewerkschaften. Müller und Giffey warben für ein tolerantes Berlin und "eine Gesellschaft ohne Hass und Hetze".

Heß war bis zu seinem Tod 1987 im Kriegsverbrechergefängnis der Alliierten in Berlin-Spandau inhaftiert. Vor einem Jahr waren zu seinem 30. Todestag hunderte Neonazis durch Spandau gezogen. Sie kamen jedoch nicht weit, weil sie durch Blockaden der zahlreichen Gegendemonstranten gestoppt wurden.