Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich mit dem senegalesischen Präsidenten Macky Sall auf eine engere Zusammenarbeit in der Migrationspolitik geeinigt. Das betreffe vor allem den Kampf gegen illegale Einwanderung nach Europa, sagte Merkel zum Auftakt ihrer dreitägigen Westafrikareise im Senegal. Die beiden Länder kündigten an, stärker gegen Schlepper und Schleuser vorzugehen. Sall sagte, afrikanische Regierungen dürften sich nicht zu deren Komplizen machen.

Gleichzeitig betonten die beiden Politiker aber auch, legale Wege nach Europa schaffen zu wollen. Der senegalesische Staatschef sagte bei dem Treffen in Dakar: "Europa sollte keine Angst haben vor Migranten." Trotz der Bedenken angesichts hoher Flüchtlingszahlen sollte Europa den Menschen aus seinem Land Perspektiven und Arbeitsmöglichkeiten durch Visa einräumen. Er glaube nicht, "dass sich Europa weiter abschotten kann".

Zugleich beklagten beide, dass viele Menschen ein falsches Bild vom Leben und ihren Chancen in Europa hätten. "Wir wissen, dass viele Menschen mit völlig falschen Darstellungen konfrontiert werden", sagte Merkel, es brauche "sachliche Aufklärung".

Merkel: Wirtschaft traut Afrika zu wenig zu

Im Gegenzug verspricht Merkel, den Senegal wirtschaftlich stärker unterstützen zu wollen. Sie betonte mit Blick auf private Investoren aber auch: "Wir brauchen Vertrauen der Unternehmen in afrikanische Länder." Die Wirtschaft sei noch zurückhaltend; oft werde afrikanischen Ländern zu wenig zugetraut. Sall betonte, sein Land sei offen für Unternehmen und Geld aus Deutschland.

Die Kanzlerin wird von einer Wirtschaftsdelegation mit Vertretern unter anderem aus den Bereichen Elektrifizierung, Automatisierung, Digitalisierung, Infrastruktur, Wasserwirtschaft und erneuerbaren Energien begleitet. Bei dem Treffen von Merkel und Sall unterzeichneten deutsche Wirtschaftsvertreter und die senegalesische Regierung ein Abkommen zur Versorgung von 300 Dörfern auf dem Land mit Solarstrom.

Der Senegal war am Mittwoch die erste Station auf Merkels dreitägiger Westafrika-Reise. Bis Freitag besucht sie noch Ghana und Nigeria. Auch dort dürfte die Migrationspolitik eine bedeutende Rolle spielen.