In Deutschland behalten inzwischen sechs von zehn eingebürgerten Menschen laut Statistischem Bundesamt ihre alte Staatsbürgerschaft. Demnach haben 68.918 von insgesamt 112.211 Eingebürgerten (61,4 Prozent) ihre bisherige Staatsbürgerschaft beibehalten. Dieser Anteil sei noch nie so hoch gewesen, berichtet die Tageszeitung Die Welt unter Berufung auf die Behörde.

Einbürgerungen sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die häufigste Form des Erwerbs der deutschen Staatsbürgerschaft. Die Eingebürgerten erhalten sie auf Dauer. Sie zählen damit nicht mehr zu den Ausländerinnen und Ausländern, auch wenn ihre bisherige Staatsbürgerschaft fortbesteht.

Von den fast 39.000 Eingebürgerten aus der EU behielten 99 Prozent ihren alten Pass. Für EU-Bürger bestehen bei der Einbürgerung Ausnahmeregeln.

Auch bei Asylberechtigten sowie anerkannten Flüchtlingen wird bei der Einbürgerung darauf verzichtet, die Aufgabe der bisherigen Staatsbürgerschaft zu verlangen, wie die Bundeszentrale für politische Bildung unter Berufung auf das Innenministerium schreibt.

Doppelpass in Deutschland

Von den 2017 eingebürgerten Iranern (2.689), Syrern (2.479), Afghanen (2.400), Marokkanern (2.390), Libanesen (1.294), Tunesiern (1.125), Nigerianern (954) und Algeriern (462) gab laut Statistischem Bundesamt im Vorjahr kein einziger seinen alten Pass ab. Von den 3.480 eingebürgerten Irakern behielten demnach 87,8 Prozent ihre alte Staatsbürgerschaft.

Unabhängig von der Einbürgerung gilt in Deutschland der Doppelpass: Kinder ausländischer Eltern können den Pass des Herkunftslandes ihrer Eltern zusätzlich zur bei der Geburt erhaltenen deutschen Staatsbürgerschaft auf Dauer behalten. Die Regelung gilt unter einer Voraussetzung: Bis zum 21. Geburtstag muss jemand mindestens acht Jahre in Deutschland gelebt haben oder sechs Jahre hier zur Schule gegangen sein.