Nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird die Europawahl im nächsten Jahr zu einer großen Auseinandersetzung zwischen pro- und antieuropäischen Kräften werden. "Wir werden sicherlich einen sehr harten Wahlkampf für die europäischen Wahlen haben", sagte Merkel bei einer Diskussion mit Studierenden in Georgiens Hauptstadt Tiflis. Derzeit besucht die Kanzlerin die drei Südkaukasus-Staaten Georgien, Armenien und Aserbaidschan.

Laut Merkel gibt es zwei Antworten auf die Sorgen der Menschen angesichts der Globalisierung und Digitalisierung. Einerseits sind da die proeuropäischen Kräfte, die wüssten, dass jedes einzelne Land zu klein sei, um die Werte und Interessen noch zu vertreten. Sie setzen sich laut Merkel gemeinsam für soziale Marktwirtschaft und die Menschenwürde ein und arbeiten dazu mit anderen Partnern und multilateral zusammen.

Auf der anderen Seite hingegen gebe es Tendenzen der nationalen Abschottung. Diese Tendenzen hält Merkel "für sehr gefährlich". Laut ihr basiere das Denken dieser politischen Gruppen darauf, dass keine Win-win-Situationen erzeugt werden können, sondern gegeneinander gearbeitet werden müsse. Merkel glaubt, dass diese Abschottung "ins Elend" führen werde.

Kanzlerin Merkel unterhält sich mit Studierenden der Universität Tiflis. © Irakli Gedenidze/Reuters

Merkel sagte, dass die europäische Integration deshalb "kein Selbstläufer" mehr sei. Ihrer Meinung nach müsse entschieden gegen jene gekämpft werden, die mit "kleinen Hassparolen" Ängste schüren wollen. "Dagegen muss man ganz fest vorgehen. Das ist ein großer Kampf", sagte sie.

Es wird erwartet, dass bei der Europawahl im Mai 2019 in vielen EU-Staaten rechts- und linkspopulistische Parteien zulegen werden.