Als Franz Bergmüller das Flötzinger Bierzelt in Rosenheim betritt, versteht man sofort, warum der oberbayerische AfD-Spitzenkandidat der Angstgegner der CSU schlechthin ist.

Kahler Schädel, massiger Körperbau, eine Stimme, die wuchtig über die Holztische trägt – und dazu die Vita: Bergmüller ist Sprössling einer Gastwirt- und Metzgerdynastie in der neunten Generation. Bekannt im ganzen Land als "Nikotinrebell" aus Unterlaus, war er der Anführer der Proteste gegen das von der CSU 2008 per Volksentscheid durchgeboxte Rauchverbot.

Bergmüller, jahrelang CSU-Lokalpolitiker im Kreis Rosenheim, ist selbst zwar Nichtraucher. Aber in seiner Kampagne berief er sich, zum Ärger seiner damaligen Parteifreunde, auf die "Liberalitas Bavariae" und natürlich den "Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur". So heißt auch der Verein, dessen Präsident er seit Menschengedenken ist. 2007 kam Bergmüller einem Ausschlussverfahren aus der CSU zuvor und schloss sich den Freien Wählern an. "Der Franz war einer von uns", so sagt es ein CSU-Mann, obwohl er Bergmüller als ziemlich intrigant und querulatorisch erinnert, "und der g'hört doch zu uns!"

Gehört er zur AfD?

Paradoxerweise ist inzwischen aber vor allem umstritten, ob Franz Bergmüller zur AfD gehört. Ausgerechnet vor den Landtagswahlen in Bayern, der nächsten und wichtigsten Etappe des AfD-Marschs durch die Institutionen, zerlegt sich die Partei vor aller Augen so, dass sie derzeit in Umfragen lediglich bei 11 Prozent – statt den erhofften 20 Prozent – liegt, weit hinter den Grünen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Partei mit einer gespaltenen Fraktion in den Landtag in München einzieht.

Innerparteiliche Gegner Bergmüllers, von denen es außerhalb Oberbayerns sehr viele gibt – und zwar sowohl aus dem rechten Flügel als auch von der moderateren Alternativen Mitte –, hatten vor dem bayerischen AfD-Landesschiedsgericht geklagt. Der Vorwurf: Bergmüller sei bei seinem Eintritt 2013, also vor fünf Jahren, noch Mitglied der Freien Wähler gewesen. Er gehöre deshalb gar nicht dazu. Bergmüller hielt dagegen und klagte vor dem Landgericht Berlin, das ihm kürzlich auf ganzer Linie recht gab.

Aber seine Gegner, allen voran der AfD-Bundesschatzmeister Klaus-Günther Fohrmann, geben keine Ruhe. Das Bundesschiedsgericht der Partei droht dem AfD-Bundesvorstand jetzt mit kollektivem Rücktritt – ein Schritt, den der Bundesvorstand ganz dringend vermeiden will. Die Partei hat ganz andere Probleme: Sie ist mitten im Wahlkampf und hat außerdem noch eine Debatte um die Nähe der Partei zum Rechtsextremismus und eine mögliche Beobachtung durch den Verfassungsschutz am Hals. Im AfD-Bundesvorstand ist daher mit Blick auf das Gebaren des Bundesschiedsgerichts die Rede von "Erpressung". Man ist äußerst genervt. 

Die bayerische Rechtsanwältin Monica-Ines Oppel, Präsidentin des neunköpfigen AfD-Bundesschiedsgerichts, hält dagegen. Man habe niemanden genötigt – lediglich auf den Vorrang der Parteigerichte vor Zivilgerichten hingewiesen. Der Staat habe sich aus Parteiinterna rauszuhalten. "Wenn dieses Urteil des Landgerichts Berlin Schule macht, können die Schiedsrichter der Partei nach Hause gehen." Sie seien dann nur noch "Puppen im Schaufenster".

CSU-Spitzel und Verschwörungstheorien

Bergmüller – also der Betroffene selbst – glaubt über manche seiner innerparteilichen Gegner, was die über ihn glauben: dass die CSU mehrere "U-Boote" in die Partei eingeschleust hat, die dort Unruhe und Zwietracht stiften sollen. Die anderen seien eine "eingeschworene Seilschaft", die in demokratischen Wahlen unterlegen sei und nun an die "Futtertröge der Macht" zurückwolle. "Anders ist ein so destruktives Verhalten doch gar nicht zu erklären, ausgerechnet gegen den oberbayerischen Spitzenkandidaten vorzugehen!", sagt Bergmüller.