Die AfD will Strategien entwickeln, um eine mögliche Beobachtung von Teilen der Partei und ihrer Jugendorganisation durch den Verfassungsschutz zu verhindern. Dabei gehe es sowohl um "juristische, organisatorische" Gegenstrategien als auch um Maßnahmen auf der "öffentlichen kommunikativen" Ebene, kündigte Fraktionschefin Alice Weidel an.

Denkbar sei neben der Vorbereitung einer Klage gegen eine Beobachtung auch der Einsatz interner "Sonderermittler", sagte Weidel. Diese sollten der Parteiführung helfen, sich "ein eigenes Bild" zu machen von dem, was in den einzelnen Landesverbänden los sei. Bei einer Sondersitzung des Parteivorstands zum Thema am Mittwochabend werde sie die Einsetzung einer Kommission vorschlagen, die sich darum kümmern solle. Leiten solle das Gremium der Bundestagsabgeordnete Roland Hartwig.

Der Co-Vorsitzende und Parteichef Alexander Gauland sagte, der AfD-Bundesvorstand habe beschlossen, den Bundesvorsitzenden der Jungen Alternative (JA), Damian Lohr, bei der von ihm geplanten Auflösung des JA-Verbandes Niedersachsen zu unterstützen. Zu den Vorgängen im JA-Landesverband Bremen wolle man erst weitere Informationen einholen. Die Verfassungsschutzämter in Bremen und Niedersachsen hatten kürzlich entschieden, die beiden AfD-Jugendorganisation zu beobachten.

Das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz hatte die Thüringer AfD mit ihrem Partei- und Fraktionschef Björn Höcke vergangene Woche zum Prüffall erklärt. Dabei handelt es sich um die Vorstufe einer möglichen Beobachtung der AfD, bei der keine nachrichtendienstlichen Mittel zum Einsatz kommen. Nach den Vorfällen in Chemnitz hatte es auch Forderungen von Politikern gegeben, die gesamte AfD, die im Bundestag und vielen Landesparlamenten sitzt, vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Höcke gilt als Rechts-außen in der AfD. Nach seiner Dresdner Rede 2017 mit der Forderung nach einer "erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad" lief gegen ihn ein erfolgloses Parteiausschlussverfahren.