Die nachträgliche Kontrolle von Asylverfahren der Bremer Bamf-Außenstelle hat nach dem abschließenden Prüfbericht 145 "bewusst manipulative Einflussnahmen" ergeben. Das seien rund 1,1 Prozent aller Verfahren, teilte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) mit. Bei den Entscheidungen hätten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktenkundige Sachverhalte ignoriert, zum Beispiel bereits gewährten Schutz in einem anderen EU-Staat oder Belege dafür, dass die Antragssteller über ihre Identität getäuscht hätten. In einem Medienbericht war zunächst von 165 Fällen die Rede gewesen.

Bei etwa 2.700 und damit bei mehr als jedem fünften Verfahren wurden Mängel bei der Bearbeitung festgestellt, die auf mangelnde Sorgfalt hinweisen. Die Flüchtigkeitsfehler seien vor allem in den Jahren 2014 bis 2016 passiert, als besonders viele Menschen nach Deutschland gekommen sind, hieß es vom Bamf. In allen Fällen mit Fehlern und Verstößen werde nun geprüft, ob ein Widerruf oder eine Rücknahme des Bescheids geboten sei. Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Untersucht wurde den Angaben nach jede positive Entscheidung von 2006 bis zum ersten Quartal dieses Jahres. Die Bamf-Prüfer schauten sich knapp 13.000 Verfahren mit gut 18.000 Antragstellern an. Die Bremer Bamf-Außenstelle war im Frühjahr in die Kritik geraten, weil dort unrechtmäßig Asylbescheide positiv entschieden worden sein sollen. Zu Beginn ging man von rund 1.200 Fällen aus.

Wie das Bamf dem Spiegel mitteilte, hatte es die 1.371 Fälle, die die Rechtsanwälte Irfan C. und Cahit T. bearbeitet hatten, separat geprüft. 550 Verfahren dieser Fälle seien demnach "nicht rechtskonform" abgelaufen. Die Bremer Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verleitung zum Asylmissbrauch gegen C. und T. sowie gegen die ehemalige Amtsleiterin Ulrike B. Die Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe.

Als Konsequenz aus dem Bremer Fall, aber auch aus Klagen über organisatorische Missstände insgesamt, hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) eine Reform des Bamf angekündigt und Behördenchefin Jutta Cordt abberufen. Die Zahl der Mitarbeiter in der Qualitätssicherung sei erhöht worden, es gebe eine Rotationspflicht und die Außenstellen müssten nun regelmäßig über ihre Gesamtschutzquoten berichten, hieß es vom Bamf. Außerdem würden einzelne Verfahrensschritte nach dem Zufallsprinzip in zehn Prozent aller Asylentscheidungen vor der Zustellung noch einmal geprüft.