Die sächsische Polizei hat sechs mutmaßliche Mitglieder einer selbst ernannten "Bürgerwehr" festgenommen. Eine Gruppe aus mindestens 15 Personen habe am späten Freitagabend auf der Schlossteichinsel in Chemnitz zunächst eine Gruppe deutscher Jugendlicher angesprochen, die dort einen Geburtstag feierten. Einige der Verdächtigen verlangten laut sächsischer Polizei zur Kontrolle die Ausweise der Feiernden. Zeugen zufolge gaben sich die Männer dabei als "Bürgerwehr" aus. Die Feiernden fühlten sich bedroht und alarmierten die Polizei. 

Die Mitglieder der "Bürgerwehr" wandten sich daraufhin einer anderen Gruppe auf der Schlossteichinsel zu. Laut Polizeimeldung kreisten sie sieben Personen ein, darunter Deutsche, Iraner und Pakistaner, und beschimpften sie rassistisch. Ein 26-jähriger Iraner sei durch einen Gegenstand leicht verletzt worden. Der Mann habe eine Platzwunde am Kopf erlitten, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Chemnitz.

Polizei nahm Männer am selben Abend fest

Die alarmierten Polizisten nahmen mehrere mutmaßliche Mitglieder der Gruppe noch am selben Abend fest. Neun von ihnen konnte die Dienststelle laut Mitteilung inzwischen wieder verlassen. Sechs Tatverdächtige im Alter von 27 bis 33 Jahren wurden auf Antrag der Chemnitzer Staatsanwaltschaft am Samstag dem Amtsgericht vorgeführt. Den Männern werde Körperverletzung und Landfriedensbruch vorgeworfen.  

Am Freitagabend hatten bis zu 3.500 Anhänger der rechtspopulistischen Bewegung "Pro Chemnitz" in der Stadt demonstriert. In Chemnitz war am 26. August ein 35-jähriger Mann eines gewaltsamen Todes gestorben. Zwei Tatverdächtige, die mutmaßlich aus Syrien und dem Irak stammen, sitzen in Untersuchungshaft. Nach einem dritten Tatverdächtigen wird gefahndet. 

Nach dem Tod des Mannes gab es an mehreren Tagen Demonstrationen, darunter auch mehrfach von rechten Gruppen. Dabei registrierte die Polizei zahlreiche Straftaten.

Hinweis: In einer früheren Version hieß es, die Polizei hätte Haftbefehl gegen die Verdächtigen erlassen. Das ist falsch, denn Haftbefehl kann nur ein Gericht erlassen. Die Polizei hatte die sechs Verdächtigen in Gewahrsam genommen, und die Staatsanwaltschaft hatte sie dem Gericht vorgeführt.