Der Präsident des Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, hat mit umstrittenen Äußerungen zu den Vorfällen in Chemnitz viel Kritik auf sich gezogen. Mehrere Politiker forderten seinen Rücktritt. Wie kam es dazu? Die wichtigsten Zitate im Überblick.

Alles nahm seinen Anfang mit einer Äußerung von Maaßen in der Bild-Zeitung vom 7. September. Dort sagte er: "Die Skepsis gegenüber den Medienberichten zu rechtsextremistischen Hetzjagden in Chemnitz werden von mir geteilt. Es liegen dem Verfassungsschutz keine belastbaren Informationen darüber vor, dass solche Hetzjagden stattgefunden haben."

Speziell äußerte sich Maaßen zu einem Video, das eine Attacke von Rechten auf Menschen mit mutmaßlichem Migrationshintergrund zeigt: "Es liegen keine Belege dafür vor, dass das im Internet kursierende Video zu diesem angeblichen Vorfall authentisch ist." Maaßen vermutet hinter den Darstellungen sogar eine Kampagne, ohne konkreter zu werden: "Nach meiner vorsichtigen Bewertung sprechen gute Gründe dafür, dass es sich um eine gezielte Falschinformation handelt, um möglicherweise die Öffentlichkeit von dem Mord in Chemnitz abzulenken."

Maaßen hatte die Bundesregierung nicht über seine Zweifel informiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuvor gesagt: "Wir haben Videoaufnahmen darüber, dass es Hetzjagden gab, dass es Zusammenrottungen gab, dass es Hass auf der Straße gab, und das hat mit unserem Rechtsstaat nichts zu tun." Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte dagegen behauptet: "Es gab keinen Mob, keine Hetzjagd und keine Pogrome."

Chemnitz - Das Chemnitz-Video im Faktencheck Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen zweifelt an der Authentizität eines Videos, das die Verfolgung von Migranten in Chemnitz zeigen soll. Wir haben uns den Ausschnitt genau angeschaut.

ZEIT ONLINE und andere Medien konnten keine Hinweise auf eine Fälschung des Videos finden. Journalisten vor Ort und andere Augenzeugen bestätigten, dass es rassistische Angriffe gegeben hat. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden prüft weiterhin die Vorfälle vom 26. und 27. August. Auch der Verfassungsschutz erklärte, dem Verdacht auf Hetzjagden weiter nachzugehen. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte, sein Informationsstand sei mit dem von Maaßen identisch. Allerdings konnte auch der Minister nicht erklären, worauf die Einschätzung des Verfassungsschutzpräsidenten konkret beruht. Dazu hat Maaßen am Montag dem Innenministerium und dem Kanzleramt einen Bericht vorgelegt. Den will Seehofer laut einer Sprecherin dem Innenausschuss des Bundestags und dem parlamentarischen Kontrollgremium vorstellen. Sie ließ offen, wann die Öffentlichkeit über den Inhalt des Berichts informiert werden wird.