Die Deutschen müssen sich laut dem Außenminister stärker für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie einsetzen. "Meine Generation hat Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie geschenkt bekommen", sagte Heiko Maas (SPD) der Bild am Sonntag. "Wir mussten das nicht erkämpfen, nehmen es teilweise als zu selbstverständlich wahr. Es hat sich in unserer Gesellschaft leider eine Bequemlichkeit breitgemacht, die wir überwinden müssen."

Mit Blick auf die rechtsradikalen Ausschreitungen in Chemnitz forderte er: "Da müssen wir dann auch mal vom Sofa hochkommen und den Mund aufmachen. Die Jahre des diskursiven Wachkomas müssen ein Ende haben." Maas wurde nach eigenen Angaben "sehr oft" von seinen europäischen Kollegen auf die rechtsextremen Aufmärsche angesprochen. Wenn es um Ausländerfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Rassismus gehe, werde Deutschland zu Recht ganz besonders kritisch beäugt.

Maas fürchtet um Deutschlands Ruf

"Wenn auf unseren Straßen heute wieder der Hitlergruß gezeigt wird, ist das eine Schande für unser Land", sagte Maas. Nun sei die ganze Gesellschaft gefordert, um Deutschlands Ruf in der Welt zu retten: "Wir müssen uns den Rechtsextremen entgegenstellen. Wir dürfen uns nicht wegducken. Wir müssen Gesicht zeigen gegen Neonazis und Antisemiten. Nur dann werden fremdenfeindliche Untaten das Ansehen Deutschlands nicht nachhaltig beschädigen."

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) sagte der Zeitung, die Ermittlungen in Chemnitz müssten aufklären, inwieweit rechtsextreme Netzwerke hinter den Demonstrationen und ausländerfeindlichen Ausschreitungen stecken. "Wir dulden nicht, dass Rechtsradikale unsere Gesellschaft unterwandern."

Der Generalbundesanwalt hat sich in dieser Woche in die Ermittlungen in Chemnitz eingeschaltet, weil es bei Demonstrationen zu ausländerfeindlichen Ausschreitungen und zum Zeigen des Hitlergrußes gekommen war. Vor einer Woche war ein 35-jähriger Deutscher bei einer Messerattacke in Chemnitz getötet worden, zwei weitere Männer wurden verletzt. Als Tatverdächtige sitzen ein Iraker und ein Syrer in Untersuchungshaft.