Das ist es, was wir nun auch in Deutschland erleben.

Wenn Deutschlands oberster Verfassungsschützer mal so und mal so redet, wenn die Sachsen-CDU Kampagnen zu Chemnitz schaltet, die den Beobachtungen von Polizisten widersprechen, wenn jeder einfach irgendwas behauptet, weil es egal ist und alles nur Meinung, dann muss man es mit der Angst zu tun bekommen.

Immer mehr Akteure, deren eigentliche Aufgabe es wäre, das Vertrauen in Fakten zu stärken und zumindest zu versuchen, nach Wahrheit zu streben, tun in voller Absicht das Gegenteil. Sie überschütten die Öffentlichkeit mit einem Geröllberg von Behauptungen, Halb- und Unwahrheiten. Sie verstopfen das Selbstgespräch der Gesellschaft, weil dieses Geröll immer mühsam weggeräumt werden muss, bevor man die Wahrheit sieht.

Trump macht es vor

In den USA passiert das jetzt Tag für Tag. Trumps Lügen und Verschwörungstheorien haben die großen Medien angespornt. Bewundernswert akribisch und ausdauernd fördern sie seither die Wahrheit unter Trumps Schutthaufen zutage.

Es ist möglich, aber anstrengend und frustrierend. Und man darf sich dabei nichts vormachen: Zum einen lebt die Lüge oft länger als ihre Enttarnung, schon allein, weil die Wahrheit oft komplexer und verwirrender ist. Und wenn man nicht aufpasst, erledigt man das Geschäft des Geröllproduzenten vor lauter Akribie gleich mit.

Zum Beispiel dann, wenn die Öffentlichkeit über den Begriff der Hetzjagd brütet und wortklaubt, anstatt einfach zu sagen, was passiert ist: In Chemnitz wurden Menschen gejagt. Oder wenn jede Lüge empört und aufgeregt kommentiert wird, als sei es die erste.

Das ist zu wenig. Das Problem sind nicht mehr allein die Lügen und Halbwahrheiten. Das Problem ist ihre Folgenlosigkeit. Eine wirklich gute Lösung dafür hat die Öffentlichkeit noch nicht gefunden, weder in den USA noch in Deutschland.

Die Bundesregierung muss nun im Fall Maaßen entscheiden, ob es für einen der wichtigsten Funktionsträger der Demokratie folgenlos bleiben kann, wenn er die Grundlagen der Demokratie absichtlich schwächt. Ihn zu entlassen würde das eigentliche Problem nicht lösen. Aber es wäre ein Signal.