Färbt man die Frauennamen in diesen Plänen orange ein, wird ein Muster sichtbar. Die unteren Ebenen sind orange getupft, nach oben hin wird das Bild farbloser. Die obersten Führungsebenen sehen oft eintönig aus, allenfalls mit wenigen orangen Sprenkeln. Dort spielen Frauen kaum eine Rolle. Zentrale Führungsbereiche bleiben überwiegend Männern vorbehalten, nicht nur im Innenministerium, sondern auch im Finanz-, Verkehrs- oder Landwirtschaftsressort und in gewichtigen Behörden wie der Bundesbank oder der Bundespolizei.

Noch krasser wird das Missverhältnis, wenn man auf die gesamte Belegschaft der Ministerien sieht. Denn nahezu überall ist mehr als die Hälfte der Belegschaft weiblich. Nur steigen kaum Frauen auf.

In zahlreiche Spitzenämter hat es seit der Gründung der Bundesrepublik noch nie eine Frau geschafft. Bis heute wurden Behörden wie der Bundesnachrichtendienst, das Bundesamt für Verfassungsschutz oder das Bundeskriminalamt nur von Männern geleitet. Sie sind ein "Kerleding", wie eine Ministeriumsbeamtin sagt, die in einer davon gedient hat. Insgesamt gibt es in Deutschland 98 dieser oberen und obersten Bundesbehörden, von der Bundesagentur für Arbeit bis zum Bundessortenamt. Ziemlich genau 100 Jahre nach Einführung des Wahlrechts für Frauen wird nur ein Viertel dieser Behörden von Beamtinnen geleitet.

Am Rande des Regierungsviertels hat an einem Septemberabend ein großer Sportverband zu einer Gala geladen. Preise sollen verliehen, Reden gehalten werden. Es ist einer jener Hauptstadttermine, bei denen sich die Führungselite des Landes zeigt. Dresscode: sportlich-elegant. Schwarze Limousinen stoppen vor einem Rokoko-Palais, im Saal haben die Organisatoren die Stehtische mit gestärkten Tischtüchern überzogen und die Sitzordnung arrangiert. Minister und Staatssekretäre werden erwartet. Das Abendprogramm und die Namensschilder auf den Stühlen bilden die Machtverhältnisse im Regierungsviertel ab.

Alle Redner sind Männer, auch die Stühle in der ersten Reihe sind männlichen Gästen vorbehalten. Dort sitzt an diesem Abend neben Wirtschaftsminister Peter Altmaier auch Markus Kerber, einer der Männer, die Horst Seehofer als Staatssekretär ins Innenministerium geholt hat. "Ich darf die Herren zu mir bitten", sagt der Moderator, auf der Bühne soll ein launiges Talkformat beginnen. Wie es denn so im Innenministerium laufe, will er von Kerber wissen. "Bei uns läuft's bombig!" Kerber grinst und genießt das Gelächter im Saal. Für die einzige geladene Spitzenbeamtin, die für Sport zuständige Ministerialdirektorin aus dem Innenministerium, hat man derweil einen Stuhl in der letzten Reihe reserviert.

Mehr Männer namens Hans als Frauen

Es ist ein Bild, wie man es fast überall in den politischen Führungsebenen Deutschlands findet. Am deutlichsten zeigt es sich dort, wo die meiste Macht konzentriert ist: bei den beamteten Staatssekretären. Sie sind hoch bezahlte Verwaltungsexperten, sie vertreten den Minister oder die Ministerin, sie sind die eigentlichen Leiter der Verwaltung, sie organisieren die Behörden, bestimmen die Themen, regieren das Land. Und sie sind fast immer Männer.

Politiker werfen börsennotierten Unternehmen in Deutschland genau das vor. Es gebe in deutschen Vorständen einen "Thomas-Kreislauf", kritisierte Familienministerin Franziska Giffey kürzlich: "Thomas fördert Thomas und Michael fördert Michael." Studien belegen, dass Vorgesetzte diejenigen protegieren, die ihnen ähnlich sind: weiß, männlich, ähnliche Ausbildung, ähnlicher Hintergrund, bis hin zum gleichen Namen. In börsennotierten deutschen Unternehmen gibt es 2018 mehr Vorstandsmitglieder, die Thomas oder Michael heißen, als Frauen.

Den gleichen Kreislauf gibt es auch bei den mächtigsten Positionen der Bundesverwaltung. In der Geschichte der Bundesrepublik sind bislang 692 beamtete Staatssekretäre ernannt worden. Die männliche Bezeichnung ist angebracht, denn in 668 Fällen wurde ein Mann für dieses Amt ausgewählt. Nur 24 Mal nominierten die zuständigen Minister und Ministerinnen eine Frau. Zieht man Frauen ab, die mehrfach ernannt wurden, dann gab es seit 1949 insgesamt nur 19 beamtete Staatssekretärinnen. In derselben Zeit wurden 24 Männer Staatssekretäre, die den Vornamen Hans trugen, und 18, die Karl hießen. Es gab also in 69 Jahren Bundesrepublik mehr Männer namens Hans in dieser wichtigen Funktion als Frauen.

Politiker wie Seehofer schreiben dieses Hans-Prinzip konsequent fort. Unter den fünf beamteten Staatssekretären in seinem Superministerium ist zwar ein Hans-Georg, jedoch keine einzige Frau. Die übrigen drei Positionen auf der obersten Leitungsebene, jene der parlamentarischen Staatssekretäre, besetzte er ebenfalls mit Männern. Als das Ministerium im März ein Foto von Seehofer im Kreise der acht grauen Anzugmenschen auf seiner Website veröffentlichte, löste das empörte Kommentare in den sozialen Medien aus. Die Pressestelle nahm eilig das Bild von der Seite. Inzwischen steht es dort wieder.

Schröders "Gedöns" hat der Idee geschadet

"Bei solchen Posten greifen oft Empfehlungskartelle", sagt Anne von Fallois. Sie war Abteilungsleiterin im Bundespräsidialamt und leitet heute das Hauptstadtbüro der Personalberatung Kienbaum. Häufig würden Weggefährten platziert oder Weggefährten von Weggefährten, außerdem Leute aus den Sympathisantenzirkeln der eigenen Partei.

So belohnt das Hans-Prinzip einfach nur das Mannsein. Hans fördert Hans, aber Hans fördert eher keine Ulrike. Das Prinzip festigt die Konformität und bestraft Unterschiedlichkeit. Dazu ist nicht einmal böser Wille nötig. Es reicht aus, wenn Vorgesetzte der erlernten Routine folgen.

Eigentlich müsste das Hans-Prinzip längst Geschichte sein. Denn schon seit 2001 sollte ein Gesetz die Männerdominanz in den Regierungsbehörden beenden. Das Regelwerk trägt den müden Titel Bundesgleichstellungsgesetz und hat zum Ziel, "die Gleichstellung von Frauen und Männern zu verwirklichen". So steht es im ersten Paragrafen.