Mehrere Abgeordnete von CDU und SPD haben einmal mehr gefordert, den Frauenanteil im Bundestag zu erhöhen. Im Gespräch sind eine Wahlrechtsreform sowie eine Frauenquote. Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) sagte dem Spiegel, die Situation sei "für das Jahr 2018 beschämend" und "ein fa­ta­les Si­gnal für die Gleichstellung von Frau­en in unserem Land." Die Ministerin sieht den Gesetzgeber in der Verantwortung: Dieser müsse Möglichkeiten prüfen, um eine "gleich­be­rech­tig­te Teil­ha­be von Frau­en und Män­nern im Bun­des­tag" herzustellen. Die SPD-Fraktion fordert deshalb in einer Resolution, die Frauenfrage ins Zentrum der geplanten Reform des Wahlrechts zu stellen. 

Auch bei den Christdemokratinnen werden die Forderungen nach einer Gleichberechtigung für Frauen im Bundestag lauter. Bereits im Mai hatte die Frauen-Union das Parlament dazu aufgefordert, die Gleichstellung per Gesetz herzustellen. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung und Vorsitzende der Frauen-Union der CDU, Annette Widmann-Mauz, sieht ebenfalls Nachholbedarf beim Wahlrecht: "Ich sage ganz klar: Das The­ma Pa­ri­tät muss bei ei­ner Wahl­rechts­re­form Ein­gang fin­den." Sie fordert schnelle Maßnahmen: "Al­les an­de­re bringt nichts, das hat die Ver­gan­gen­heit gezeigt. Am Ende die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode brau­chen wir eine Lö­sung."

Ob die Gleichstellung von weiblichen Abgeordneten in der anstehenden Reform des Wahlrechts Eingang finden wird, ist jedoch unklar. Die Reform wird derzeit von Abgeordneten aller Parteien ausgearbeitet. Doch Verfassungsrechtler bezweifeln, ob der Gesetzgeber eine Vorauswahl der Abgeordneten treffen darf. Versuche, die Gleichstellung von Frauen bei Kommunalwahlen in verschiedenen Bundesländern durchzusetzen, waren deshalb in der Vergangenheit gescheitert.  

Mit Quoten für die Wahllisten der Parteien könnte das Problem umgangen werden. SPD-Po­li­ti­ke­rin Eva Högl nennt das einen "ersten Schritt". Auch Kandidaten-Tandems für Wahlkreise werden diskutiert, die aus einem Mann und einer Frau bestehen sollen. Unions-P­o­li­ti­ke­rin Wid­mann-Mauz will diese Vorschläge nicht nur juristisch prüfen: "Das bes­te Mo­dell nützt nichts, wenn wir da­für kei­ne Mehr­heit im Bun­des­tag bekommen."

Hinter die Forderungen der Abgeordneten stellen sich auch zahlreiche Frauenverbände. Elke Ferner, die im Vorstand des Deutschen Frauenrats sitzt, der Dachorganisation von insgesamt 60 Vereinigungen, spricht sich im Spiegel für ein frak­ti­ons­übergrei­fen­des Bünd­nis der Frau­en im Bun­des­tag aus. Ein von ihr ins Leben gerufener Fachausschuss soll jetzt die rechtlichen Voraussetzungen für eine Frauenquote prüfen.