Im Fall des im sachsen-anhaltinischen Köthen gestorbenen 22-Jährigen sind die Ermittlungen zum genauen Tathergang noch nicht abgeschlossen. Dies teilten Landesinnenminister Holger Stahlknecht und Landesjustizministerin Anne-Marie Keding mit und bestätigten, dass der Mann an einem akuten Herzinfarkt gestorben ist. Es seien keine Körperverletzungen festgestellt worden, die todesursächlich gewesen wären, teilten die CDU-Politiker sowie die ermittelnden Behörden mit. Allerdings verwiesen sie erneut darauf, dass diese Erkenntnisse auf einem "telefonischen Vorabbericht" der Obduktion des Mannes am Sonntag basieren.

Köthen - Zwei Festnahmen nach Tod eines 22-Jährigen In Köthen in Sachsen-Anhalt wurden zwei Männer aus Afghanistan festgenommen. Ermittelt werde wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Ein 22-jähriger Deutscher war nach einem Streit an Herzversagen gestorben. © Foto: Sebastian Willnow/dpa

Laut den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler war es auf einem Spielplatz in Köthen gegen 22 Uhr am Samstag zu einem Streit zwischen mindestens zwei Deutschen und mindestens zwei Afghanen gekommen. Danach war der 22-jährige Deutsche gestorben. Derzeit wird gegen den 18 Jahre alten Verdächtigen aus Afghanistan wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt sowie gegen den 20-jährigen Afghanen wegen des Anfangsverdachts der Körperverletzung mit Todesfolge. Die beiden Männer sind in Untersuchungshaft. 

Der 20-jährige Verdächtige hätte abgeschoben werden sollen, teilte Justizministerin Keding mit, erstmals auf Grundlage eines Antrags vom 17. April dieses Jahres. Diese Abschiebung wurde durch die zuständige Staatsanwaltschaft abgelehnt, da zu diesem Zeitpunkt unter anderem ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung lief und der Mann erneut vernommen werden sollte. Am 6. September schließlich, also kurz vor dem Vorfall in Köthen, sei dann ein zweiter Abschiebeantrag bewilligt worden. Dieser Bescheid, sagte CDU-Ministerin Keding, "hat sich durch die jetzigen Ereignisse überholt".

Aus München äußerte sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zurückhaltend zu dem Todesfall in Köthen. "Da wäre ich jetzt vorsichtig in der Bewertung", sagte er. "Es scheint so zu sein, dass die Todesursache nach der Obduktion feststeht, aber dass der Tathergang – für mich jedenfalls – noch nicht ausreichend geklärt ist." Deshalb sei er bezüglich der näheren Tatumstände sowie der Ursache und Folgen der Tat zurückhaltend. "Und ich empfehle uns, wie in Chemnitz, dass wir Politiker auf die authentischen Ermittlungsergebnisse warten, bevor wir sie bewerten."

"Dass es wieder ein Tötungsdelikt gab, macht mich schon betroffen", sagte Seehofer. "Wir müssen alles tun, dass wir die Dinge, die wir in diesen Tagen erleben, in unserem Rechtsstaat auch überwinden." Es gehe um antisemitische Vorfälle, um Rechtsradikalität. "Aber es sind auch Gewaltverbrechen, die von Zuwanderern durchgeführt werden. Wir müssen alle Herausforderungen annehmen und nicht das eine gegen das andere ausspielen", sagte Seehofer.

Haseloff sieht bundesweites Problem

Für Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff sind die Vorgänge in Köthen – kurz nach dem Bekanntwerden der Tat hatten Rechte zu einem "Trauermarsch" durch die Stadt aufgerufen und 2.500 Menschen versammelt – "keine Problematik einer einzelnen Stadt, eines einzelnen Landes". Der CDU-Politiker forderte in Berlin vielmehr ein bundesweites Vorgehen gegen Rechtsextremisten. "Die gesamte Nation ist jetzt gefordert", sagte Haseloff und verwies auf die Nummernschilder in Köthen, die auf eine landesweite Mobilisierung von Rechten und Rechtsextremen hingedeutet hätten.

Haseloffs sächsischer Amtskollege Michael Kretschmer (CDU) sagte: "Wir müssen in dieser Zeit zusammenhalten." Es sei wichtig, dass Demokraten "auch bei der Wortwahl aufpassen, dass wir nicht das Spiel dieser Menschen mitmachen und leichtfertig die Stimmung anheizen." Es gebe in Deutschland einen starken Rechtsstaat mit entschieden handelnder Polizei, Gerichten und Staatsanwaltschaften. "Denen müssen wir vertrauen."

Seehofer will Maaßens Bericht abwarten

Vor zehn Tagen war es im sächsischen Chemnitz zu Ausschreitungen gekommen, über deren Ausmaß politisch gestritten wird. Der Chef des Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, hatte an der Echtheit von Videoaufnahmen gezweifelt, die rassistische Übergriffe zeigen. Belege für seine Zweifel lieferte er nicht. Bis zu diesem Montag soll er sich seinem obersten Dienstherrn, Innenminister Seehofer, erklären.

Seehofer teilte dazu am Montagvormittag mit, ihm liege bisher kein Bericht vor. Allerdings werde Maaßen seine Gründe gehabt haben. "Wir warten jetzt ab, was er uns berichtet – und alles Weitere wird dann beantwortet", sagte Seehofer mit Blick auf Rücktrittsforderungen gegenüber Maaßen und ihn selbst.