Die linke Sammlungsbewegung Aufstehen soll nach den Worten ihres Mitgründers, des früheren Linke-Vorsitzenden Oskar Lafontaine, "politisch heimatlose" Wähler ansprechen. Ziel sei es, linken Wählern, die sich in den bisherigen Parteien nicht wiederfinden, eine Plattform zu bieten, sagte Lafontaine.

Die Initiatoren von Aufstehen wollten auch "die Wanderung zur AfD stoppen und vielleicht umkehren". Dies bedeute aber nicht, sagte Lafontaine, AfD-Parolen nachzulaufen. "Wir wollen das über die soziale Frage lösen." Über die fremdenfeindlichen Proteste in Chemnitz sagte er, dass der Unmut sich nicht in erster Linie durch die Flüchtlingsfrage aufgestaut habe, sondern durch das Auseinanderfallen der Gesellschaft, den Sozialabbau und die dadurch ständig steigende Unzufriedenheit.

Linke-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht hatte die Bewegung zusammen mit ihrem Ehemann Lafontaine vor vier Wochen gegründet. Rund einen Monat später nähert sich die Zahl der Unterstützer nach Lafontaines Angaben der Marke von 100.000. Vor gut einer Woche waren es demnach bereits mehr als 85.000. Am heutigen Dienstag will Sahra Wagenknecht in Berlin die Ziele und die Protagonisten vorstellen. Darunter sind neben Politikern von Linkspartei, SPD und Grünen auch prominente Künstler und Wissenschaftler.

Die Strukturen müssten erst wachsen, sagte Lafontaine. "Die Bewegung ist ja im Entstehen." Ohne Steuerungsgremium werde man nicht auskommen, er selbst werde aber nicht "in der ersten Reihe stehen". 

Die SPD-Spitze lehnt eine Zusammenarbeit mit der linken Sammlungsbewegung ab. "Was Wagenknecht und Lafontaine da machen, ist keine Bewegung, sondern ein Machtkampf innerhalb der Linkspartei", sagte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Wir brauchen ernsthafte Gespräche über ein progressives rot-rot-grünes Bündnis statt Internetseiten ohne politische Konsequenz", sagte Klingbeil den Funke-Blättern.

Sahra Wagenknecht - Wollen Sie die Wiedervereinigung mit der SPD? Sahra Wagenknecht ruft zu einer neuen linken Sammelbewegung auf. Was sie damit meint und welche Zukunft sie für die SPD sieht, erzählt sie im Videointerview. © Foto: Ana-Marija Bilandzija für ZEIT ONLINE