Der SPD-Ostbeauftragte Martin Dulig hat bemängelt, dass die deutsche Einheit noch nicht in den Köpfen angekommen sei. "Es gibt viele Ostdeutsche, die sich unfair behandelt fühlen", sagte er in einer Bundestagsdebatte über den Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit. Das habe viel mit den Umbrucherfahrungen und Ungerechtigkeiten nach der Wende zu tun.

Der sächsische Wirtschaftsminister kritisierte zudem, dass die Einheit auf wirtschaftliche Kennziffern beschränkt worden sei. "Man spricht dann über herausgeputzte Städte, über neue Straßen, aber nie über Mentalitäten." Erneut schlug Dulig die Einsetzung einer Wahrheitskommission zur Aufarbeitung der Nachwendezeit vor. "Wenn wir im Osten die Zukunft wollen, müssen wir hinter uns die Vergangenheit aufräumen."

Wirtschaftsstaatssekretär Christian Hirte (CDU), Ostbeauftragter der Bundesregierung, dagegen hob in seinem Jahresbericht die Fortschritte bei der wirtschaftlichen Entwicklung im Osten hervor. Er räumte aber auch ein, dass es noch große Unterschiede zum Westen gebe.

Linke will Aufarbeitung der Treuhand

Ähnliches forderte Matthias Höhn, Ostbeauftragter der Linksfraktion: Vor allem die Geschichte der Treuhand müsse aufgearbeitet werden. Denn im Osten sei "kein Stein auf dem anderen geblieben". Die Treuhand kümmerte sich um die Umwandlung der DDR-Planwirtschaft in eine Marktwirtschaft. Tausende Betriebe wurden geschlossen, viele Menschen verloren im Zuge der Schließungen und Privatisierungen ihre Jobs.

Der AfD-Abgeordnete Enrico Komning hingegen kritisierte, dass Ostdeutsche pauschal als Nazis und Ostdeutschland als "Dunkeldeutschland" bezeichnet würden. Ihm zufolge werde eine deutsche Einheit nicht erreicht, wenn die Ostdeutschen immer noch ungleich behandelt würden.