Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ist für seine Einordnung der Vorfälle in Chemnitz deutlich kritisiert worden. Die Grünen warfen Kretschmer vor, die Ausschreitungen zu bagatellisieren. Wer den Rechtsextremismus wirklich bekämpfen wolle, dürfe nicht die Augen vor dem verschließen, was wirklich passiere, sagte die innenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Irene Mihalic. "Man muss die Dinge klar benennen und erkennen, dass Rechtsextreme mit dem Erzeugen einer Pogromstimmung einen Mob mobilisiert haben." Kretschmer sehe nicht, was er nicht sehen wolle.

SPD-Vize Ralf Stegner kritisierte, dass Kretschmer sich nicht eindeutig genug positioniert habe. "Die CDU zwinkert nach rechts – und wer das wie Herr Kretschmer nun macht, der hat sie nicht mehr alle", sagte Stegner der Bild-Zeitung. Die sächsische CDU habe offenbar noch immer nicht begriffen, dass dies nichts bringe. "Wenn Herr Kretschmer das immer noch nicht verstanden hat, dann ist ihm wirklich nicht mehr zu helfen."

Die FDP warf der sächsischen CDU vor, den Rechtsextremismus zu lange verleugnet zu haben. "Wir sehen mit Sorge und Empörung, wie politischer Protest bis an und über die Grenze der Gewalt geht", sagte Parteichef Christian Lindner.

Kretschmer hatte in seiner Regierungserklärung gesagt, "mit aller Kraft" gegen Rechtsextremismus zu kämpfen. Zugleich hatte er sich gegen "pauschale oder falsche" Urteile zu den Ausschreitungen in Chemnitz ausgesprochen. "Klar ist: Es gab keinen Mob, es gab keine Hetzjagd und es gab keine Pogrome in dieser Stadt." Damit widersprach der Ministerpräsident den Aussagen vom Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert. Dieser hatte von "Hetzjagden auf Menschen anderen Aussehens und anderer Herkunft" gesprochen. Diese Worte beschrieben nicht richtig, was in Chemnitz passiert sei, sagte Kretschmer.

Angela Merkel verurteilt Hass

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte die Ausschreitungen am Mittwoch erneut. Es habe Bilder gegeben, die "sehr klar Hass und damit auch die Verfolgung unschuldiger Menschen" gezeigt hätten, sagte Merkel in Berlin. Davon müsse man sich distanzieren.

In der vergangenen Woche war in Chemnitz ein 35-jähriger Deutscher erstochen worden. Im Anschluss gab es mehrere Demonstrationen und Aufmärsche von Neonazis und Rechten. Es kam zu rassistischen Übergriffen, mehrfach wurden auch Journalisten attackiert. Kritik gab es an der sächsischen Polizei wegen ihrer Einsatzplanung und der zu geringen Zahl an Beamtinnen und Beamten vor Ort.