Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet (CDU), hat CSU-Chef Horst Seehofer für dessen Aussage kritisiert, wonach die Migrationsfrage die "Mutter aller Probleme" sei. "Die Mutter aller Probleme – das ist Saddam-Hussein-Sprache", sagte Laschet gegenüber der Rheinischen Post. Der irakische Diktator hatte den ersten Golfkrieg die "Mutter aller Schlachten" genannt.

Laschet kritisierte auch den Präsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen: "Verfassungsschützer sollen Verfassungsfeinde beobachten und nicht der Bild-Zeitung Interviews geben", sagte Laschet. Maaßen hatte im Gespräch mit der Zeitung angezweifelt, ob ein Video von den rechtsextremen Aufmärschen in Chemnitz authentisch sei. Es könne sich um "eine gezielte Falschinformation handeln, um möglicherweise die Öffentlichkeit von dem Mord in Chemnitz abzulenken", hatte Maaßen gesagt. Nach Recherchen vieler Medien, auch von ZEIT ONLINE, ist das Video jedoch echt.

In einem Bericht zu seinen Äußerungen, den Maaßen am Montag dem Bundesinnenministerium und dem Kanzleramt vorlegte und aus dem mehrere Medien zitieren, fühlt sich Maaßen inzwischen falsch verstanden. Laut der Süddeutschen Zeitung schrieb er nun ausdrücklich, dass das Video keine Fälschung sei. Zweifel, so Maaßen weiter, seien aber angebracht, ob das Video "authentisch" eine Menschenjagd zeige. Dies habe er mit seiner Kritik gemeint.

Auch der Spiegel berichtete, Maaßen bestreite nicht mehr, dass das von ihm in Zweifel gezogene Video echt sei. Stattdessen kritisiere er nur noch, dass die schnelle Veröffentlichung des Videos in großen Medien unseriös gewesen sei, weil niemand die Quelle und die Echtheit der Aufnahme zu dem Zeitpunkt hätte einschätzen können.

Laut Informationen der Welthat sich der Geheimdienstchef zudem zu einem fragwürdigen Zeitpunkt geäußert – nämlich bevor die Fachleute seiner Behörde die Authentizität des entsprechenden Videos überprüft hatten. Die Erkenntnisse gewannen sie demnach erst, nachdem Maaßen mit der Bild-Zeitung gesprochen hatte und seine Zitate veröffentlicht wurden.

Pistorius sieht Grenzüberschreitung

Kritik an Maaßen kommt aus Niedersachsen. Der dortige Innenminister Boris Pistorius (SPD) wirft dem Verfassungsschutzpräsident eine Grenzüberschreitung vor. "Gerade in Zeiten von sogenannten Fake-News und Verschwörungstheorien ist es die Aufgabe des Behördenchefs, für Klarheit und Gewissheit zu sorgen und sich nicht seinerseits an Spekulationen zu beteiligen oder sie sogar in Gang zu setzen", sagte der Landesinnenminister dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Dass Maaßen sich dennoch in dieser Art öffentlich äußere, lege den Schluss nahe, "dass er Einfluss auf die politische Stimmung im Land nehmen will", kritisierte Pistorius. Dies und seine Treffen mit AfD-Spitzen würden das Vertrauen in seine unabhängige und objektive Amtsführung gefährden. Das verbiete sich für einen Spitzenbeamten.

Auch der ehemalige Vorsitzende des parlamentarischen Kontrollgremiums, Clemens Binninger (CDU), hätte von Maaßen mehr Zurückhaltung bei seinen Äußerungen zum Geschehen in Chemnitz erwartet. "Gerade bei einem Anlass, wie wir ihn jetzt haben und bei der Herausforderung, vor der wir stehen, ist Zurückhaltung und Differenzierung geboten", sagte Binninger dem SWR.