Regierungssprecher Steffen Seibert hat den Rauswurf eines Journalisten aus der Pressekonferenz von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan verteidigt. Im Kanzleramt hatte der in Hamburg lebende türkische Journalist ein T-Shirt mit der türkischen und deutschen Aufschrift "Freiheit für Journalisten" übergezogen und war in die erste Reihe gegangen.

Das T-Shirt sei nicht das Problem gewesen, sagte Seibert der Bild am Sonntag. "Es ging um eine Störung des Ablaufs der Pressekonferenz." Durch die Aktion des Journalisten sei eine starke Unruhe entstanden, was nicht hinnehmbar gewesen sei. Er habe deswegen veranlasst, dass Personenschützer den Mann hinausbringen. 

Seibert sagte, dass es nicht gestattet sei, bei Pressekonferenzen im Bundeskanzleramt politische Anliegen zu demonstrieren. "Das gilt völlig unabhängig davon, ob es sich um ein berechtigtes Anliegen handelt oder nicht. Die Regeln sind die Regeln."

Zahlreiche Journalisten in Haft

In der Türkei sitzen zahlreiche Journalisten im Gefängnis. Vielen von ihnen werden angebliche Spionagetätigkeiten oder die Unterstützung oder Mitgliedschaft in verbotenen Parteien oder der Fethullah-Gülen-Bewegung vorgeworfen. Die türkische Führung macht die Bewegung für den gescheiterten Putschversuch am 15. Juli 2016 verantwortlich. Einigen der beschuldigten Journalisten drohen mehrere Jahrzehnte Haft.

Auch ausländische Journalisten sind vor den türkischen Behörden nicht sicher: Erst Anfang September wurde der österreichische Journalist Max Zirngast verhaftet. Er hatte unter anderem kritisch über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan berichtet.

Noch immer in Haft sitzt der deutschtürkische Journalist Adil Demirci. Er befindet sich seit April im türkischen Hochsicherheitsgefängnis Silivri. Zuletzt hatten die Fälle der inhaftierten Journalisten Meşale Tolu und Deniz Yücel für Aufsehen gesorgt. Sie kamen zwar frei und konnten nach Deutschland zurückkehren, doch laufen in der Türkei noch Prozesse gegen die beiden.