Nach zwölf Jahren im Amt will Ralf Stegner im kommenden Jahr nicht mehr für den Landesvorsitz der SPD in Schleswig-Holstein antreten. Das teilte er auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Kiel mit. In einem Brief an die Parteimitglieder schrieb der 58-Jährige, die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen. Der Entschluss habe schon seit einigen Monaten festgestanden. Einen Grund nannte er nicht.

Den Vorsitz der Landtagsfraktion möchte er dagegen behalten. Für die Parteispitze unterstütze er die derzeitige Vizefraktionschefin Serpil Midyatli. Sie sei "eine, die ganz viel kann". Die 43-Jährige werde sich "wie eine Löwin mit Herz und Verstand" für die Inhalte und das Profil der SPD einsetzen. Midyatli sitzt seit 2009 im Kieler Landtag. Ursprünglich wollte sich Stegner erst Ende Oktober über seine politische Zukunft im Landesverband äußern. Nach der Kandidatur Midyatlis Ende August hatte die Debatte in der SPD um die Parteispitze aber Fahrt aufgenommen.

"Heraus aus den deprimierenden schlechten Umfragewerten"

Zwischen 2003 und 2008 war Stegner Finanzminister in Schleswig-Holstein und anschließend Innenminister. Stegner, der auch stellvertretender Vorsitzender der Bundes-SPD ist, war zuletzt in die Kritik geraten, weil seine Partei bei der Kommunalwahl im Frühjahr bereits die dritte Niederlage nach der Landtagswahl im Mai 2017 und der Bundestagswahl im Herbst vergangenen Jahres in Folge einstecken musste. Die Sozialdemokraten rutschten im Mai landesweit um 6,5 Punkte auf 23,3 Prozent ab und landeten weit hinter der CDU.

Er sehe sich selbst keineswegs im politischen Ruhestand. "Aufgeben und Rückzug ist nicht", sagte Stegner. Zudem wolle er sich auf Bundesebene dafür einsetzen, dass die SPD sich "deutlich stärker als linke Volkspartei" profiliere und sich aus den "deprimierenden schlechten Umfragewerten" herauskämpfe.