Die Bundesregierung hat offengelassen, ob sie im Falle eines Giftgasangriffs in der syrischen Region Idlib militärisch an der Seite westlicher Verbündeter eingreifen würde. "Natürlich steht die Bundesregierung in Kontakt mit den Partnern und Verbündeten", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Denn angesichts der Lage in Idlib habe man große Sorgen, "dass sich entsetzliche Muster aus anderen syrischen Kampfschauplätzen wiederholen könnten". Darüber spreche man sowohl mit Amerikanern als auch Europäern. "Es hat keine Situation gegeben, in der jetzt eine Entscheidung zu fällen gewesen wären", betonte Seibert.

Zuvor war bekannt geworden, dass das Verteidigungsministerium einen Bundeswehreinsatz in Syrien prüft. Ein Sprecher des Ministeriums sprach mit Blick auf einen möglichen Giftgaseinsatz der syrischen Armee von einem "sehr hypothetischen Fall". Es sei eine Selbstverständlichkeit, dass Militärs in Szenarien denken und planen müssten. Dies sage aber nichts über die Wahrscheinlichkeit aus, dass sie auch einträten. Auf jeden Fall würden die Beteiligungsrechte des Bundestages für einen Einsatz der Bundeswehr im Ausland eingehalten. Die USA haben bereits erklärt, auf einen Chemiewaffeneinsatz reagieren zu wollen.

Die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles hat jeglichen Einsatz der Bundeswehr in Syrien abgelehnt. Die SPD werde "weder in der Regierung noch im Parlament einer Beteiligung Deutschlands am Krieg in Syrien zustimmen", hieß es in einer Erklärung. Man unterstütze Außenminister Heiko Maas (SPD) bei "seinen Bemühungen, im Gespräch mit unter anderem der Türkei und Russland eine humanitäre Katastrophe zu verhindern".

Maas selbst hat sich zurückhaltend zu einer möglichen deutschen Beteiligung an einem militärischen Vergeltungsschlag bei einem erneuten Giftgaseinsatz in Syrien geäußert. Zur klaren Absage seiner Parteivorsitzenden an ein deutsches Eingreifen in den Krieg sagte der SPD-Politiker: "Andrea Nahles hat natürlich vollkommen recht, dass die Bundesregierung sich natürlich auf dem Boden des Grundgesetzes und des Völkerrechtes bewegen wird."

Die Bild hatte zuvor berichtet, dass das Verteidigungsministerium eine Beteiligung des deutschen Militärs in Syrien prüfe. Für den Fall, dass die Armee des syrischen Machthabers Baschar al-Assad in Idlib Chemiewaffen einsetze, erwäge Ministerin Ursula von der Leyen (CDU), sich künftig der Allianz von USA, Großbritannien und Frankreich anzuschließen. Beim nachweislichen Einsatz von Giftgas könnte demnach auch die Bundeswehr mit bewaffneten Tornados militärische Infrastrukturstützpunkte, wie zum Beispiel Munitionsdepots, angreifen.  

Nach Informationen der Zeitung war dazu im Kanzleramt eine Anfrage der US-Regierung eingegangen. Daraufhin sei im Verteidigungsministerium die grundsätzliche Möglichkeit einer deutschen Beteiligung erörtert worden. In den Gesprächen hätten Expertinnen und Experten unter anderem über Aufklärungsflüge vor einem möglichen Angriff und die Teilnahme an möglichen Kampfeinsätzen diskutiert. Der Bundestag würde im Falle eines schnellen militärischen Eingreifens erst nachträglich befragt werden, hieß es weiter.

Im April hatten die USA, Großbritannien und Frankreich Ziele in Syrien angegriffen und damit nach eigener Darstellung auf einen Chemiewaffeneinsatz der Assad-Truppen reagiert. Es wird befürchtet, dass das syrische Regime bei der offenbar anstehenden Offensive auf die Provinz Idlib, die als letzte Rebellenhochburg gilt, Chemiewaffen einsetzen könnte. Nach Angaben der russischen Regierung rechnet man in Moskau damit, dass Rebellen einen Chemiewaffeneinsatz der Regierungstruppen vortäuschen könnten, um ein militärisches Eingreifen der USA und anderer Staaten zu erwirken.