Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat sich am Ende seines Besuchs in Deutschland zufrieden gezeigt. "Es war ein erfolgreicher Besuch", sagte Erdoğan in seiner Rede zur Eröffnung der großen Ditib-Moschee in Köln-Ehrenfeld am Samstagnachmittag. Die Reise habe die deutsch-türkische Freundschaft vertieft. Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe er "wichtige Themen ehrlich besprochen", unter anderem wirtschaftliche Investitionen und wie man "effektiv gegen Rassismus und Islamophobie ankämpfen" könne.

In diesem Zusammenhang kritisierte Erdoğan den Umgang mit Mesut Özil und İlkay Gündoğan. Die beiden Fußballspieler waren nach einem Foto mit dem türkischen Präsidenten stark kritisiert worden. Nur deswegen seien sie "aus der Gesellschaft ausgegrenzt worden", sagte Erdoğan. "Dafür habe ich kein Verständnis." Er wolle denen danken, die zu Özil gehalten hätten.

Erdoğan forderte auch eine bessere Integration der Türken in Deutschland. Die Türkei habe die Integration unterstützt und werde es auch weiterhin tun. "Wir sehen die Zukunft unserer Brüder hier", sagte der türkische Präsident. Zugleich verlangte er einen entschlosseneren Kampf gegen die Gülen-Bewegung. Deren Anhänger dürften "keinen Unterschlupf finden", weder in Europa noch in den USA. Die türkische Regierung macht die Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich.

Die Eröffnung der Moschee bezeichnete Erdoğan als historischen Moment. Das Gebäude sei ein "Werk des Stolzes", das allen Menschen offen stehen solle. Die türkische Gemeinde zeige mit der Moschee, dass sie zu Deutschland dazugehöre, sagte Erdoğan. Er hoffe, dass ähnliche Bauwerke auch andernorts entstünden.

Treffen mit Laschet, Frühstück mit Merkel

Zuvor hatte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) Erdoğan zu einem Gespräch empfangen. Ursprünglich sollte das Treffen auf Schloss Wahn stattfinden, das musste aber kurzfristig geändert werden, weil die Schlossbesitzer einen Empfang Erdoğans aus politischer Überzeugung abgelehnt hatten. Nach dem Treffen betonte Laschet die Notwendigkeit, weiter im Gespräch zu bleiben. Die "intensiven Beziehungen" zwischen der Türkei und Deutschland würden aber "überschattet von Verhaftungswellen", von denen auch deutsche Staatsbürger betroffen seien, sagte der Ministerpräsident. Wenn sich die Beziehungen normalisieren und vertiefen sollten, sei Rechtsstaatlichkeit eine wichtige Voraussetzung.

Am Samstagvormittag war Erdoğan erneut mit Merkel zusammengekommen. Unter dem Eindruck des eher unharmonischen Vortags trafen sie sich zu einem Frühstück im Kanzleramt. Bei der zweieinhalbstündigen Unterhaltung ging es in "einem vertieften Gespräch" um das "deutsch-türkische Verhältnis, die innenpolitische Lage in der Türkei und die gemeinsamen Interessen im Kampf gegen den Terrorismus", wie ein Regierungssprecher mitteilte. Ein wesentliches Thema seien auch die Möglichkeiten gewesen, die wirtschaftlichen Beziehungen weiter zu stärken. Außerdem sei über die Lage in Syrien und die Zusammenarbeit in der Flüchtlings- und Migrationspolitik gesprochen worden, erklärte der Sprecher.

Erdoğans Delegation kritisiert die Stadt Köln

Eine geplante Veranstaltung vor der Moschee mit Tausenden Anhängern Erdoğans hatte die Stadtverwaltung aus Sicherheitsgründen untersagt. "Niemand wird auch nur in die Nähe der Moschee kommen", hatte die Stadt Köln am Samstagmorgen mitgeteilt. "Ein Einlass ist nur mit einer Einladung möglich." Erdoğans Delegation hatte die Entscheidung kritisiert. Der Präsident sei "sehr enttäuscht" über die "mangelnde Unterstützung" der Stadt, hieß es.

Laschet, Vertreter der Bundesrepublik oder der Stadt Köln waren bei der Eröffnung nicht anwesend. Die türkische Islam-Organisation Ditib hatte auf Facebook zu der Veranstaltung an der Moschee eingeladen und mit bis zu 25.000 Besuchern gerechnet. Die Kölner Behörden hatten dafür ein ausreichendes Sicherheitskonzept verlangt, etwa zu Sanitätern und Fluchtmöglichkeiten – nach eigenen Angaben vergeblich.