Der in der Türkei wegen Spionage und Verrats gesuchte Journalist Can Dündar verzichtet auf eine Teilnahme an der Pressekonferenz von Kanzlerin Angela Merkel und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. "Ich habe entschieden nicht daran teilzunehmen", teilte Dündar, der seit zwei Jahren in deutschem Exil lebt, auf seinem eigenen Medienportal mit. Dündar gilt als ein prominenter Kritiker des türkischen Präsidenten.

In einem auf Twitter veröffentlichten Video sagte Dündar:  "Ich hatte an der Pressekonferenz teilnehmen wollen, doch seit dem Abend habe ich verstanden, dass es einen intensiven diplomatischen Austausch gab und Erdoğan gesagt hat, dass er die Pressekonferenz boykottieren werde, sollte ich kommen." Wenn er komme, werde er selbst zur Nachricht werden, und das wolle er nicht. "Daher habe ich entschieden, nicht teilzunehmen." Seine Fragen würden stattdessen von einem deutschen Journalisten gestellt werden.

Im Rahmen seines dreitägigen Staatsbesuchs hat die Bundeskanzlerin Erdoğan zum Mittagessen getroffen. Im Anschluss läuft eine gemeinsame Pressekonferenz im Kanzleramt, bei der Journalisten Fragen stellen können.

Dündar lebt seit dem Putschversuch im Sommer 2016 im Berliner Exil. In der Türkei wurde der ehemalige Chefredakteur der Cumhuriyet zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, nach dem er einen Skandal aufgedeckt hatte. Er hatte berichtet, dass der türkische Geheimdienst MiT Waffen nach Syrien bringen wollte, um diese Extremisten zu überlassen. Dündar wurde zusammen mit dem damaligen Cumhuriyet-Hauptstadtkorrespondenten wegen Veröffentlichung geheimer Dokumente, versuchtem Sturz der Regierung und Unterstützung einer Terrororganisation angeklagt.

Der Journalist war mehrere Monate in Untersuchungshaft, bis das Verfassungsgericht seine Freilassung anordnete. Bis zum Urteil durfte er das Gefängnis verlassen. Dündar reiste daraufhin aus und lebt seitdem in Berlin.

In der ZEIT schreibt Dündar eine wöchentliche Kolumne über die Krise in der Türkei. ZEIT ONLINE veröffentlicht die Folgen in deutscher und türkischer Sprache.