Erstmals seit 13 Jahren muss Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sein Amt gegen einen Kandidaten verteidigen. Gegen den Amtsinhaber tritt bei der Wahl am Nachmittag der Vizefraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) an. Ein Erfolg von Brinkhaus wäre zwar eine große Überraschung – erfahrene Unionsabgeordnete trauen dem Herausforderer aber ein Ergebnis von 30 Prozent zu. Nach zwei dramatischen Regierungskrisen innerhalb weniger Monate gilt die Wahl auch als Stimmungstest für den Rückhalt von Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel in der Unionsfraktion. 

Kauder gilt als einer der engsten Vertrauten der Kanzlerin. Der 69-Jährige ist genauso lange Fraktionsvorsitzender wie sie Kanzlerin. Die CDU-Vorsitzende hat sich für eine Wiederwahl Kauders ausgesprochen, ebenso wie CSU-Chef Horst Seehofer und der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Alexander Dobrindt.

Es wird dennoch damit gerechnet, dass zahlreiche Abgeordnete ein Zeichen gegen die Kanzlerin setzen wollen und deshalb für den Herausforderer stimmen, gerade auch aus der CSU-Gruppe, die seit Langem Merkel kritisiert. Die Wahl ist geheim, Konsequenzen müssen sie also nicht befürchten. 

Brinkhaus begründet seine Kandidatur unter anderem damit, dass er sich eine aktivere Rolle der Unionsfraktion in der Regierung wünscht. Zudem will sich der 50-Jährige für mehr Teamgeist einsetzen. Wiederholt hatte er betont, seine Kandidatur richte sich nicht gegen Merkel. Kauder sagte, er wolle die nächsten Jahre gemeinsam mit der Fraktion gestalten. Es komme entscheidend auf die Union an, wenn es darum gehe, die Arbeit der Koalition zu prägen.