Die deutschen Behörden planen offenbar erneut eine Abschiebung von abgelehnten Asylbewerbern nach Afghanistan. Der Flug solle am Dienstagabend in Deutschland starten, eine Ankunft in Kabul werde Mittwochmorgen erwartet, sagte ein Mitarbeiter des Flüchtlingsministeriums in Kabul. Laut Bayerischem Flüchtlingsrat gibt es Hinweise, dass der Flug vom Flughafen München starten wird.

Die Sicherheitslage hat sich in Afghanistan zuletzt weiter verschlechtert. Die radikalislamischen Taliban sind in vielen Regionen aktiv, auch der "Islamische Staat" (IS) spielt eine Rolle. Derzeit kontrollieren die Taliban nach Militärangaben knapp 14 Prozent der Bezirke des Landes, weitere 30 Prozent sind umkämpft. Andere Quellen sehen eine größere Dominanz der Islamisten.

Seit 2016 wurden in 16 Sammelabschiebungen fast 370 Männer nach Afghanistan zurückgebracht. Aufgrund der schwierigen Sicherheitslage in dem Land sind die Abschiebungen umstritten. Erst Anfang September waren 20 Menschen bei einem Selbstmordanschlag getötet worden. Nachdem im Juli ein abgeschobener Afghane kurz nach seiner Ankunft in Kabul Suizid begangen hatte, war vor allem Innenminister Horst Seehofer (CSU) in Kritik geraten.