Deutschland schiebt deutlich mehr Asylbewerber aus den Maghrebstaaten ab als in den Jahren zuvor. Das Innenministerium bestätigte einen entsprechenden Bericht der Bild-Zeitung. Den Angaben zufolge ist die Zahl der Abschiebungen nach Tunesien, Algerien und Marokko durch die enge Zusammenarbeit der Regierungen stark gestiegen.

2015 seien einem Sprecher zufolge 57 Menschen nach Algerien zurückgeführt worden, vergangenes Jahr waren es 504. Im Fall Tunesiens stieg die Zahl der Abschiebungen im gleichen Zeitraum von 17 auf 251, nach Marokko von 61 auf 634 Menschen. Bis Ende August dieses Jahres seien 231 Menschen nach Tunesien, 476 nach Marokko und 400 nach Algerien zurückgeführt worden.

Wegen der geringen Anerkennungsquote bei Asylverfahren will die Bundesregierung die Maghrebstaaten sowie das Kaukasusland Georgien als sogenannte sichere Herkunftsstaaten einstufen, um Asylverfahren aus diesen Länder zu beschleunigen und Abschiebungen zu erleichtern. Der entsprechende Gesetzentwurf befindet sich im parlamentarischen Verfahren. Im Bundesrat stoßen die Pläne auf Vorbehalte, vor allem bei jenen Landesregierungen, an denen die Grünen beteiligt sind.

Das Bundesinnenministerium verhandelt seit 2016 gemeinsam mit den Maghrebstaaten über die Verbesserung der Rückkehrzusammenarbeit. Diese haben bei Algerien, Marokko und Tunesien zu signifikanten Fortschritten bei der Identifizierung potenzieller Ausreisepflichtiger geführt. So werden zum Beispiel biometrische Daten ausgetauscht. Das habe zu einer starken Steigerung der Anzahl der Identifizierungen geführt, für die auf Antrag der zuständigen deutschen Behörden nunmehr "in der Regel problemlos und zügig" die notwendigen Reisedokumente ausgestellt würden.