Nach der Landtagswahl in Bayern am Sonntag dürfte die CSU einen Koalitionspartner brauchen, um weiterregieren zu können. Das jedenfalls legen alle Umfragen nahe. Mit welcher Partei könnte ein Bündnis funktionieren? Rechnerisch käme eine Koalition mit den Grünen infrage, doch inhaltlich liegen die Parteien weit auseinander. Eine Koalition mit der AfD hat die CSU ausgeschlossen. Theoretisch könnten auch andere Parteien ganz ohne die CSU eine Regierung bilden. Mögliche Szenarien:

Schwarz-Grün

Die größte Regierungsmehrheit hätte laut den Umfragen eine Koalition aus CSU und Grünen, denn die Grünen könnten sehr stark abschneiden. Ein solches Bündnis hätte es allerdings gleich aus zwei Gründen schwer: Die Spitzenkandidaten der Grünen haben einen harten Haltungswahlkampf gegen die CSU und deren Ministerpräsidenten Markus Söder geführt. Spitzenkandidatin Katharina Schulze warf Söder vor, den Unionsstreit um die Flüchtlingskrise mit angeheizt zu haben. Die Grünen klagen außerdem vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das bayerische Polizeiaufgabengesetz der CSU, das sie für völlig überzogen halten. 

Doch ausgeschlossen haben die Grünen ein solches Bündnis nicht. Unter einem anderen CSU-Ministerpräsidenten oder einer CSU-Ministerpräsidentin wäre es vorstellbar. Der derzeitige Landesinnenminister Joachim Herrmann oder seine Amtskollegin aus dem Wirtschaftsressort, Ilse Aigner, werden als Grünen-kompatibel gehandelt.

Programmatisch würden Koalitionsverhandlungen extrem schwer: Der Wahl-O-Mat für die Landtagswahl zeigt für Schwarz-Grün die geringste Übereinstimmung (siehe Grafik): In einer Auswertung der insgesamt38 Wahl-O-Mat-Thesen kommen die beiden Parteien auf magere sieben Gemeinsamkeiten, darunter Gratis-ÖPNV für Schüler, Azubis und Studierende, Landärzteförderung oder die Anerkennung von Pflegeausbildungsabschlüssen aus dem Ausland.

Der Passauer Politologe Heinrich Oberreuter attestiert den Grünen allerdings eine hohe Kompromiss- und Leidensbereitschaft, wenn sie dafür Macht bekommen könnten: "Die Grünen sind regierungsgeil, das war schon im Bund so", sagt er und erinnert damit an die an der FDP gescheiterten Jamaika-Sondierungsgespräche von Grünen, Union und FDP. Seit Wochen arbeite die Berliner Parteizentrale an Papieren, die Kompromisslinien für ein Bündnis mit der CSU aufzeigen sollen, sagt Oberreuter, der selbst CSU-Mitglied ist.

Auf ihre Forderung nach einem dritten Nationalpark in Bayern könnten die Grünen im Interesse einer Koalition vielleicht vorerst verzichten. In der Schulpolitik zeigt sich an einem Punkt Konsens: CSU und Grüne sind dagegen, dass behinderte Schüler und Schülerinnen ausschließlich an allgemeinen Schulen wie Grundschule, Realschule und Gymnasien unterrichtet werden, also inkludiert. Sonst ist man in den Bildungsthemen weit auseinander. Ebenso würde man sich beim Pestizideinsatz auf den Äckern Bayerns oder der Frage, wie viele Wiesen und Acker für Gebäude und Infrastrukturbauten zubetoniert werden sollen, nur unter Schmerzen einig werden. Etwas einfacher könnte der Ausbau der Polizei werden: Sowohl Grüne als auch CSU wollen zusätzliche Stellen schaffen – die Grünen mit 500 jedoch weit weniger als die CSU, die 3.000 verspricht.

In Hessen und Baden-Württemberg arbeitet Schwarz-Grün trotz aller Unterschiede schon geräuschlos zusammen. Doch in Bayern würde es das Selbstverständnis der Politikerinnen und Politiker nach diesem erbitterten Wahlkampf durchrütteln. Eine solche Koalition ist daher keinesfalls ausgemacht.

Schwarz-Schwarz

Ein Bündnis aus CSU und der Regionalpartei Freie Wähler könnte den Umfragen zufolge nur eventuell eine knappe Regierungsmehrheit erreichen. Dabei wäre es für die CSU inhaltlich noch die beste Variante: Beide Parteien sind gegen Fahrverbote und Tempolimits, für mehr Videoüberwachung, bessere Landärzteförderung, für Kreuze in Landesbehörden und Wertekunde für Zuwanderer. Die Freien Wähler seien "Fleisch vom Fleische der CSU", sagt Politologe Oberreuter. Doch die schwarz-schwarze Mehrheit im Parlament betrüge den jüngsten Umfragen zufolge nur wenige Sitze. Knappe Mehrheiten machen Koalitionen riskant, können aber auch disziplinieren – in Thüringen etwa regiert Rot-Rot-Grün mit nur einer Stimme Mehrheit.

Schwarz-Schwarz-Gelb

Sollte es für Schwarz-Schwarz zu knapp werden, könnte die FDP als Mehrheitsbeschaffer dienen – vorausgesetzt, sie kommt über die Fünfprozenthürde. Die bayerischen Liberalen sind allerdings an der Klage gegen das bayerische Polizeiaufgabengesetz beteiligt. Probleme dürften sie außerdem mit der Videoüberwachung haben oder den Kreuzen in bayerischen Landesbehörden. Im Wahl-O-Mat-Ranking der Gemeinsamkeiten liegen CSU, FDP und Freie Wähler im Mittelfeld.