3. Grün-Rot ist noch lange nicht die Zukunft

Die Grünen in Bayern haben flugs mal kopiert, was die Partei im Bund schon seit einiger Zeit in ungewohnte Umfragehöhen trägt: Sie stellten ein sympathisches, unverbrauchtes Duo an die Spitze, inszenierten das Sympathische und Unverbrauchte so geschickt, dass selbst das Gestellte locker herüberkam, und nutzten dann das Momentum.

Der Aufstieg der Grünen zur zweiten Macht im Freistaat hat neben dem menschlichen Faktor noch einen anderen Grund, einen hochpolitischen: die Rückkehr der Ökologie. Hitzesommer, Insektensterben, Glyphosat im Boden, Plastik im Meer, Gift in der Luft: Verdeckt von der ewigen Flüchtlingsdebatte sind diese Themen in den vergangenen Monaten raus aus der grünen Ecke und weit hinein in das bürgerliche Lager gekrochen.

Wer glaubt, nur die wohlstandsverwöhnten Grünenwähler mit ihrem ewigen Milchschaum vorm Mund würden sich für Klimawandel, Umwelt- und Tierschutz interessieren, verliert wie die CDU mit jeder neuen Umfrage immer mehr alte Wählerinnen und Wähler. Oder er findet sich wie die SPD plötzlich nur noch auf Platz fünf im Parteienranking. Angela Merkel hat die neue Macht der Ökologie wenigstens erkannt und die Junge Union unlängst aufgefordert, das ökologische Profil der Union zu schärfen. Andrea Nahles ist noch nicht so weit. Auch dafür landet man dann in der politischen Unterwelt einer Volkspartei, im Einstelligen. Und die Grünen an der Schwelle zu 20 Prozent. Rot-Grün ist Vergangenheit, Grün-Rot aber noch lange nicht die Zukunft.

4. Das Wachstum der AfD hat Grenzen

Das Wachstum der AfD hat Grenzen – zumindest im Westen der Republik. Je näher der Wahltag rückte, desto schwächer wurde die Partei in den Umfragen. Wut zu äußern, war für viele Bayerinnen und Bayern dann doch noch etwas anderes, als Wut zu wählen. Auch in Hessen sinkt die Zustimmung für die AfD. Rund 11 Prozent in Bayern sind zwar wahrlich groß genug, um die Rechtspopulisten nicht kleinreden zu können. Ihre deutlich höher fliegenden Hoffnungen haben sich aber nicht erfüllt.

Trotz des Rückgangs der Zustimmung in Bayern und Hessen legt die AfD bundesweit zu. Das liegt vor allem am ungebremsten Zulauf im Osten. Im nächsten Jahr stehen Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg an. In allen drei Ländern ist die AfD auf dem Weg, zur stärksten politischen Kraft aufzusteigen. Die Haltung zur AfD scheint bestens geeignet, Deutschland im Jahr 2019 erneut tief zu spalten. Um das zu verhindern, bedarf es einer Großdebatte über deutsche Befindlichkeiten im 30. Jahr nach dem Mauerfall, die über die Standardklischees wie "Die sollen endlich mal dankbar sein" und "Wir wurden einfach überrollt" hinauskommen muss. Sonst wird Deutschland pünktlich zu seinem 70. Geburtstag eine andere Republik sein.

5. Lindner wird für seinen fehlenden Mut bestraft

Die bürgerliche CSU verliert rund 12 Prozentpunkte bei einer Wahl – und die bürgerliche FDP bibbert über Stunden, ob sie sich mit viel Ach und einigem Krach über die Fünfprozenthürde wuppen kann. Den Liberalen ist in Bayern das Kunststück gelungen, im Stärkerwerden – sie erreichte bei der letzten Wahl 3,3 Prozent – ihre ganze Schwäche zu offenbaren. Das mag auch landesspezifische Gründe haben, eins aber ist gewiss: Die Entscheidung von FDP-Chef Christian Lindner, die Jamaika-Verhandlungen platzen zu lassen und nicht in die Regierung zu gehen, erweist sich als immer fataler. Zwar strafen die Wählerinnen und Wähler in erster Linie CDU, CSU und SPD selbst für ihre Unfähigkeit ab, effizient und geräuschlos zu regieren. Aber der Unmut richtet sich mit jedem neuen Zoff in der Groko zunehmend auch gegen jene Partei, die das alles hätte verhindern können. Lindner wollte für seine Prinzipientreue belohnt werden. Nun wird er für seinen fehlenden Mut bestraft.

6. Wie aber lautet nun die politische Großlehre aus der Bayern-Wahl?

Um es mit Yoda, dem philosophierenden Großmeister der Jedi aus Krieg der Sterne, zu sagen: Der Untergang der Volksparteien begonnen er hat.