Bei der Landtagswahl in Bayern verzeichnet die CSU den Verlust der absoluten Mehrheit, bleibt aber stärkste Kraft im Parlament. Die Christsozialen mit Ministerpräsident Markus Söder als Spitzenkandidat kommen nach einer ARD-Hochrechnung von Infratest auf 37,3 Prozent und werden künftig auf mindestens einen Koalitionspartner angewiesen sein. Bei der Wahl 2013 hatte die CSU noch 47,7 Prozent der Stimmen erreicht.

Zweitstärkste Kraft sind der Hochrechnung zufolge die Grünen mit 17,8 Prozent (2013: 8,6). Die Freien Wähler erzielen demzufolge 11,6 Prozent (2013: 9,0). Die AfD zieht den ersten Zahlen zufolge mit 10,7 Prozent erstmals in den bayerischen Landtag ein. Die SPD halbiert laut Prognose ihr Ergebnis von 2013 (20,6 Prozent) und kommt auf 9,5 Prozent. Für die FDP prognostiziert Infratest 5,0 Prozent, ihr erster Landtagseinzug seit 2008 ist nicht sicher. Die Linke verpasst laut der Prognose mit 3,5 Prozent den Einzug ins Parlament.

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Das ZDF kommt zu ähnlichen Zahlen mit ihrer Hochrechnung der Forschungsgruppe Wahlen. Demnach liegt die CSU bei 37,4 Prozent, die Grünen kommen auf 17,9 Prozent, die Freien Wähler auf 11,7 Prozent, die AfD auf 10,6 Prozent und die SPD auf 9,6 Prozent. Die FDP erhält demnach 5,0 Prozent, die Linke 3,2 Prozent.

Rund 9,5 Millionen Bürger, darunter 600.000 Erstwähler, waren aufgerufen ein neues Landesparlament für die kommenden fünf Jahre zu wählen. Die 180 Sitze im Landtag unterteilen sich in 91 Direkt- und 89 Listenmandate. Durch Überhang- und Ausgleichsmandate könnte die Zahl noch steigen. Die Wahlbeteiligung hat sich stark erhöht und liegt bei 71,8 Prozent. Bei der Wahl 2013 waren es 63,6 Prozent gewesen. Sie dürfte allerdings hoch gewesen sein. In München und vier weiteren großen Städten des Freistaats lag die Beteiligung bis zum Nachmittag deutlich höher als bei der vorherigen Landtagswahl, wie die Wahlämter mitteilten. 

Das bayerische Wahlrecht hat einige Besonderheiten. Anders als bei der Bundestagswahl entscheidet die Summe aus Erst- und Zweitstimmen über die Sitzverteilung im Landtag. Mit der Erststimme wählt man einen Kandidaten in einem der 91 Stimmkreise direkt. Mit der Zweitstimme wählt man einen Listen-Kandidaten einer Partei. Wird kein einzelner Kandidat angekreuzt, sondern allgemein eine Partei, wird die Stimme der Partei bei der Sitzverteilung zugerechnet. Beide Stimmen sind für die Sitzverteilung also genau gleich wichtig.

Da es sich um die erste Landtagswahl seit der Neuauflage der großen Koalition im Bund handelt, gilt die Abstimmung auch als Stimmungstest für die Bundesregierung. Insbesondere Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen klagten über fehlende Unterstützung aus Berlin.

In der CSU deutete sich zudem an, dass ein schlechtes Wahlergebnis den Parteivorsitzenden Horst Seehofer in Bedrängnis bringen könnte. Diesem wird auch innerhalb der CSU vorgeworfen, für die Probleme der großen Koalition Verantwortung zu tragen.