Das Werbeverbot für Abtreibungen sollte aus Sicht der stellvertretenden AfD-Fraktionschefin im Bundestag, Beatrix von Storch, nicht abgeschafft oder abgeschwächt werden. Nach geltendem Strafrecht seien Abtreibungen rechtswidrig und nur unter bestimmten Bedingungen straffrei. "Was rechtswidrig ist, darf nicht beworben werden", sagte sie der Neuen Osnabrücker Zeitung. "Abtreibung ist kein Menschenrecht." Sie wünsche sich stattdessen eine "Willkommenskultur für Kinder".

Union und SPD streiten seit Längerem über den Paragrafen 219a im Strafgesetzbuch. Dieser verbietet es, für Abtreibungen zu werben. Gegnerinnen und Gegner der Regelung argumentieren, dass auch sachliche Informationen für ungewollt schwangere Frauen durch den Paragrafen verhindert würden. Die SPD will diesen daher reformieren oder abschaffen. In der Union gibt es dagegen aber große Vorbehalte.

Anlass der Debatte ist die Verurteilung einer Ärztin aus Gießen, die auf ihrer Website darauf hingewiesen hatte, dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornimmt.

Auch Caritas-Präsident Peter Neher sieht keine Notwendigkeit, das Werbeverbot zu lockern: "Ich bin davon überzeugt, dass dieser Paragraf einer umfassenden Information schwangerer Frauen, die auch ich für nötig halte, nicht entgegensteht." Der zentrale Ort, um sich zu informieren, sei die Schwangerschaftskonfliktberatung, die über alle relevanten Aspekte informiere. Dies schließe auch die Information mit ein, welche Ärzte und Ärztinnen Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Weiter sagte der Chef der katholischen Organisation: "Schwangerschaftsabbrüche sind Unrecht, und das Bundesverfassungsgericht hat dem Gesetzgeber aufgetragen, dies auch im allgemeinen Bewusstsein zu erhalten."

Das Statistische Bundesamt hat im vergangenen Jahr 101.209 Schwangerschaftsabbrüche registriert.