Verfolgen Sie alle Entwicklungen zu Angela Merkel und ihrem Verzicht auf eine Kandidatur für den CDU-Parteivorsitz in unserem Liveblog.


Bundeskanzlerin Angela Merkel ist nach den Verlusten bei der Landtagswahl in Hessen bereit, nicht mehr für den Vorsitz der CDU zu kandidieren. Das kündigte Merkel laut übereinstimmenden Berichten aus Parteikreisen auf einer Präsidiumssitzung der Partei an. Sie wolle aber Kanzlerin bleiben.

Merkel ist seit 18 Jahren CDU-Chefin. Sie hatte bisher immer betont, dass für sie Parteivorsitz und Kanzlerschaft zusammengehören. Bei der Landtagswahl in Hessen hat die CDU deutlich verloren.

Die Nachfolge an der Parteispitze könnte schon auf dem CDU-Parteitag Anfang Dezember in Hamburg geregelt werden. Für den Posten könnte der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz kandidieren. Das berichten die Deutsche Presse-Agentur und die Bild-Zeitung unter Berufung auf das Umfeld von Merz.

Friedrich Merz war bis 2002 Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, bis die Parteivorsitzende Angela Merkel den Posten für sich beanspruchte. Merz wurde stellvertretender Fraktionschef, legte das Amt aber 2004 nieder. Anfang 2007 verkündete er seinen Rückzug aus der Politik. Merz gilt nach wie vor als ein Kopf der Konservativen in der Partei.  Eine mögliche Rückkehr in die Politik schloss er nie aus und äußerte sich immer wieder zu politischen Themen. Im Oktober 2014 wurde er Mitglied der neuen Parteikommission "Zusammenhalt stärken – Zukunft der Bürgergesellschaft gestalten" als einer von drei Kommissionen, mit denen die CDU versuchte, neues Profil zu entwickeln.

Als weiterer möglicher Nachfolger gilt Gesundheitsminister Jens Spahn. Dieser kommt wie Merz aus Nordrhein-Westfalen. Die CDU-Spitze kommt an diesem Sonntag zu einer länger geplanten Vorstandsklausur zusammen. 

Kramp-Karrenbauer, Spahn könnten kandidieren

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, die ebenfalls als mögliche Nachfolgerin Merkels gilt, hatte sich am Sonntagabend nicht mehr klar zur Wiederwahl der Kanzlerin als Parteivorsitzende positioniert. "Die Bundesvorsitzende hat ganz klar erklärt, dass sie auf dem Parteitag noch einmal antreten wird. Und ich habe bis zur Stunde keine anderen Signale", sagte die frühere saarländische Ministerpräsidentin. Als sie im ZDF erneut gefragt wurde, was dies bedeute und ob sie selbst Merkel unterstütze, verwies Kramp-Karrenbauer lediglich darauf, dass es in der CDU-Spitze eine gemeinsame Verantwortung gebe, die Partei programmatisch zu erneuern.

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SPD-Chefin Andrea Nahles gab sich mit Blick auf Merkels Schritt zunächst zurückhaltend. "Ich kann momentan nicht den Gremiensitzungen der CDU vorgreifen und möchte das deswegen an dieser Stelle nicht kommentieren", sagte sie. FDP-Fraktionsgeschäftsführer Marco Buschmann sagte der dpa: "Wenn die Bundeskanzlerin sagt, dass sie für den Parteivorsitz nicht mehr geeignet ist, dann muss sie sich doch erst recht fragen, ob sie noch für das Kanzleramt geeignet ist."