Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet will sich unter den jetzigen Konstellationen nicht um den Vorsitz der Bundes-CDU bewerben. Laschet bestätigte entsprechende Medienberichte vor Journalisten in Düsseldorf. Demnach hat Laschet in einer Telefonschaltkonferenz mit den Bezirksvorsitzenden gesagt, dass bei der jetzt geplanten Trennung von Kanzleramt und Parteivorsitz das Amt des Regierungschefs im größten Bundesland mit dem Vorsitz der Regierungspartei im Bund nicht dauerhaft zu vereinbaren sei.

Wie unter anderem die Welt berichtet, sieht Laschet die Koalition aus CDU und FDP in NRW als "Gegenmodell" zur großen Koalition in Berlin – in Inhalt und Stil. Das dürfe nicht für ein Parteiamt gefährdet werden.

In der Telefonkonferenz sollen mehrere Teilnehmer deutlich gemacht haben, dass es jetzt ausschließlich um den Parteivorsitz gehe. Laschet solle nur nach Berlin gehen, wenn er Aussicht auf ein neues politisches Projekt habe. Es sei "eine Neubewertung" notwendig, wenn es nicht mehr nur um den Parteivorsitz, sondern auch um andere Ämter gehe.

Am Montag, nachdem Angela Merkel ihren Verzicht auf eine erneute Kandidatur für den CDU-Vorsitz verkündet hatte, ließ Laschet seine Kandidatur noch offen. Er halte es für richtig, bevor man sehr schnell eine Kandidatur erkläre, erst einmal über einige Inhalte wie Klimapolitik und die CDU als Volkspartei zu sprechen und zu schauen, wie man CDU und CSU besser zusammenhalten könne, hatte Laschet gesagt. "Es geht nicht darum, wer ruft als Erster 'hier', sondern es geht darum, diese Lösungen für alle zu finden."

In der Telefonkonferenz plädierte der Ministerpräsident dafür, dass die CDU an ihrem Kurs der Mitte festhalten soll. "Wir müssen die Partei jetzt zusammenhalten", sagte Laschet. Angesichts der "Zäsur nach 18 Jahren Vorsitz" von Merkel, halte er es für notwendig, "dass die Partei auch in ihrer ganzen Breite und Tiefe zu Wort kommen" könne. Die Gespräche mit den anderen Landesvorsitzenden werde er in den kommenden Tagen fortsetzen. Zudem will er auf der Vorstandsklausur am Wochenende vorschlagen, dass bis zum Parteitag im Dezember Regionalkonferenzen stattfinden, auf denen sich die Kandidaten vorstellen könnten.

Laschet war als möglicher Nachfolger Merkels gehandelt worden. Der CDU-Vize gilt als sehr erfolgreich, unter anderem hatte er im vergangenen Jahr die SPD-geführte Landesregierung in NRW abgelöst. Zudem gilt er als idealer Kandidat für eine mögliche neue Jamaika-Koalition. FDP-Chef Christian Lindner, mit dem Laschet schon in NRW gemeinsam regiert hat, hatte in einem Interview gesagt, Laschet habe Kanzlerformat.

Neben mehreren unbekannten Kandidaten aus der Parteibasis haben bisher Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer sowie Gesundheitsminister Jens Spahn und Friedrich Merz ihre Kandidaturen für den Vorsitz angekündigt – beide stammen aus Laschets Landesverband NRW. Während Kramp-Karrenbauer als Vertraute Merkels gilt, sind Spahn und Merz Vertreter des konservativen Parteiflügels.

Die Kandidatur von Merz, der Anfang der 2000er Fraktionsvorsitzender der Unionsfraktion war, stößt auf Kritik. Merz sitzt im Aufsichtsrat der Fondsgesellschaft Blackrock und arbeitete als Berater für zahlreiche Finanzunternehmen.