Der CSU-Kreisverband Kronach hat sich nach dem schlechten Abschneiden der Partei bei der Landtagswahl in Bayern für eine Ablösung von Parteichef Horst Seehofer ausgesprochen. Der Vorstand sei sich zwar einig gewesen, dass zunächst die Regierungsbildung im Freistaat Priorität habe, sagte der Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner, "aber nach dieser Regierungsbildung wollen wir einen Parteitag mit dem Ziel der personellen Erneuerung und mit dem Ziel, Horst Seehofer abzulösen".

Laut Baumgärtner hat Seehofer der CSU grandiose Erfolge eingebracht. "Wir glauben aber, dass alles seine Zeit hat", sagte der 45-Jährige. Ein "Weiter so" dürfe es aus Sicht des Kreisverbandes nicht geben. Auch in einer anschließenden Mitgliederversammlung gab es für all diese Forderungen großen Applaus, wie Teilnehmende berichteten.

"Jeder ist ersetzlich. Ich schon allemal"

Seehofer selbst will erst nach der Regierungsbildung in Bayern über personelle Konsequenzen reden. In einem Interview mit dem ZDF erklärte sich der Bundesinnenminister aber bereit, Verantwortung zu übernehmen. "Jeder ist ersetzlich. Ich schon allemal", sagte er. Zum derzeitigen Zeitpunkt führe er aber keine Personaldiskussion, auch nicht über sich selbst.

"Ich bin Parteivorsitzender, und als Parteivorsitzender hat man natürlich für die Entwicklung bei einer Wahl auch Mitverantwortung. Die nehme ich auch wahr, der werde ich mich auch stellen", sagte Seehofer weiter. Das Wichtigste sei jetzt aber, die Regierung in Bayern zu bilden. Auf die Frage, ob er überzeugt sei, dass er Ende des Jahres noch Parteichef sein werde, antwortete Seehofer: "Ja, ich habe immer große Hoffnung im Herzen, aber ich bin ergebnisoffen. Das heißt jetzt aber nicht, dass ich etwas angekündigt habe."

In dem Interview gestand Seehofer eine Mitschuld am Verlauf des Asylstreits in der großen Koalition im Frühsommer ein. "Der Stil der Auseinandersetzung" sei sein größter Fehler im vergangenen halben Jahr gewesen, sagte er. Der CSU-Chef betonte aber, dass er weiterhin für die Forderung nach Rückweisungen von bestimmten Zuwanderern an der deutschen Grenze sei. Der Streit darum hatte im Juli beinahe zu einem Zerbrechen der Koalition und der Unionsparteien geführt. Seehofer wies den Vorwurf zurück, seine Partei habe in den vergangenen Monaten einen Rechtsruck durchlebt. Die CSU sei im Hinblick auf die Wählerwanderungen vielmehr in einer Sandwichposition zwischen AfD, Freien Wählern und Grünen.

Vertiefte Analyse im November oder Dezember

In der CSU-Vorstandssitzung am Montag hatte der Parteichef eine tiefgreifende Analyse des schlechten Ergebnisses angekündigt. Nach der Kabinettsbildung in Bayern wolle man Ende November oder im Dezember "in einer geordneten Form in einem geeigneten Gremium" eine vertiefte Analyse anstellen. Dort sollten auch alle Vorschläge diskutiert werden, die es strategisch "und auch personell geben mag". Ob sich ein Parteitag oder ein anderes Gremium damit befassen soll, werde man mit den CSU-Bezirksvorsitzenden besprechen. Die CSU war bei der Landtagswahl am Sonntag um mehr als zehn Punkte auf 37,2 Prozent abgestürzt und braucht nun einen Koalitionspartner. Ein Bündnis aus CSU und Freien Wählern gilt als wahrscheinlich.

Aussagen von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) zur Stellung von Kanzlerin Angela Merkel kritisierte Seehofer. "Ich frage mich: Wem nutzen solche Äußerungen?", sagte Seehofer der Zeitung Bild. "Die CSU wird ja gern für vermeintliche Querschüsse kritisiert", sagte er. An diesem Wochenende seien aber CDU-Leute über den eigenen Laden hergezogen. "Das ist wenig hilfreich." Schäuble hatte dem Südwestrundfunk gesagt, Merkel sei "nicht mehr so unbestritten". Angesichts vieler unionsregierter Jahre machte er "Ermüdungseffekte" in Deutschland aus.