Nach der bayerischen Landtagswahl zeigen sich die Auswirkungen auf die politische Stimmungslage im Bund. ARD und ZDF haben mit dem Deutschlandtrend und dem Politbarometer ihre neuen Wahlumfragen veröffentlicht. Demnach würden nur 25 beziehungsweise 27 Prozent der Befragten CDU/CSU wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre. Die SPD käme in beiden Umfragen auf 14 Prozent und wäre damit nur noch die viertstärkste Partei. Für die Koalitionäre ist das der schlechteste Wert, der jemals in den beiden Umfragen ermittelt wurde.

Für die Grünen würden 19 bis 20 Prozent der Bürgerinnen und Bürger stimmen – das ist der höchste Wert seit September 2011. Sie wären damit, ebenso wie in Bayern, zweitstärkste Kraft. Für die AfD würden sich in beiden Umfragen aktuell 16 Prozent der Befragten entscheiden. Die FDP käme in der ARD-Befragung auf acht, in der vom ZDF auf elf Prozent. Die Linke käme auf einen Wert zwischen neun und zehn Prozent.

Die große Koalition wäre damit weit entfernt von der parlamentarischen Mehrheit. Nur Dreierbündnisse hätten ausreichend Stimmen für eine Regierung, etwa eine Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen.

51 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gaben beim Deutschlandtrend an, sie seien besorgt wegen der zunehmenden Schwäche von CDU, CSU und SPD. 47 Prozent gaben an, sich keine Sorgen zu machen. Das Verhältnis der Regierungsparteien werten 84 Prozent der für das Politbarometer befragten Personen als schlecht. Die Schuld lasten sie vor allem der CSU an.

Für den Deutschlandtrend befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap am Dienstag und Mittwoch 1.040 Wahlberechtigte. Für das Politbarometer telefonierte die Forschungsgruppe Wahlen von Dienstag bis Donnerstag mit 1.117 Wahlberechtigten.

Über die Unsicherheiten von Umfragen

Repräsentative Umfragen unterliegen immer Fehlern. Man kann davon ausgehen, dass der tatsächliche Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Bereich von einem bis drei Prozentpunkten über oder unter den letztlich angegebenen Messwerten liegt. Den Korridor dieses statistischen Fehlers zeigen wir ab sofort in unseren Grafiken zu Wahlumfragen.

Die Ergebnisse basieren immer auf Stichprobenbefragungen. Diese decken in der Regel nur spezielle Teile der Bevölkerung ab (zum Beispiel Menschen mit Festnetz-Telefonanschluss oder Internetnutzer). Einige potenzielle Teilnehmer sind ablehnend und wollen erst gar nicht befragt werden. Fragen werden mitunter auch falsch verstanden und nicht immer aufrichtig beantwortet. Zum Beispiel auch in Reaktion auf vorangegangene Umfragen. Um jedoch ein allgemeines Meinungsbild über alle Bevölkerungsgruppen hinweg zu berechnen, müssen die Demoskopen fehlende Messwerte und vermutete Ungenauigkeiten ausgleichen und die vorliegenden Zahlen neu gewichten. Diese (in der Regel nicht transparenten) Formeln unterscheiden sich in den Instituten und führen daher zu unterschiedlichen Aussagen.

Umfragewerte sind immer Momentaufnahmen. Mehr als eine grobe Tendenz für ein Meinungsbild lässt sich daraus nicht ableiten. Selbst wenn die Aussagen und Berechnungen zum Veröffentlichungszeitpunkt der Umfrage nahe an der Realität liegen, ist immer noch offen, ob die damals befragten Wähler zum Beispiel später tatsächlich ihre Stimme abgeben oder sich kurzfristig umentscheiden.

Weitere Hintergründe über unseren Umgang mit Wahlumfragen finden Sie in unserem Transparenzblog Glashaus.