CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer rechnet mit raschen Neuwahlen im Bund, sollte die große Koalition in Berlin nach der hessischen Landtagswahl auseinanderbrechen. Die Lage der drei Regierungsparteien CDU, CSU und SPD sei derzeit angespannt, sagte sie auf einer Veranstaltung der Frankfurter Volksbanken. Deshalb könne niemand sagen, "wie stabil das bleibt, was sich vor allem an Dynamiken in den einzelnen Parteien entwickelt".

Damit nahm Kramp-Karrenbauer Bezug auf Spekulationen, laut denen die Regierungskoalition im Bund auseinander brechen könnte. Ein schlechtes Wahlergebnis für SPD und CDU in Hessen, wie es die letzten Umfragen nahelegen, könnte sowohl den Druck auf CDU-Chefin Angela Merkel erhöhen als auch SPD-Chefin Andrea Nahles in Erklärungsnot bringen. So könnte die Landtagswahl am Sonntag auch die Bundesregierung destabilisieren.

Laut Kramp-Karrenbauer dürften vor allem die Grünen ein Interesse daran haben, bei einem Bruch der Koalition in Berlin eine Neuwahl herbeizuführen. So könnten in diesem Fall neue Koalitionsverhandlungen für ein Jamaika-Bündnis mit Union und FDP folgen. Die große Koalition muss aus ihrer Sicht deshalb jetzt handeln. Nach der Hessen-Wahl sollten demnach CDU, CSU und SPD gemeinsam entscheiden, um welche drei Projekte des Koalitionsvertrags sich die Bundesregierung vorrangig und konzentriert kümmern wolle. "Ich glaube, das wäre ein wichtiges Signal an die Bürger", sagte sie.

"Hessen war immer knapp"

Merkel und der hessische CDU-Spitzenkandidat Volker Bouffier rechnen mit einem knappen Ergebnis bei der Landtagswahl. "Hessen war immer knapp", sagte Bouffier im Wahlkampf in Fulda. Es spreche viel dafür, dass es am Sonntag erneut kein Ergebnis mit klarem Abstand geben werde. Auch Merkel, die Bouffier mit ihrer Rede bei ihrem vierten und letzten Wahlkampfauftritt in Hessen unterstützte, sagte: "Hessen ist immer ein knappes Land gewesen. Und deshalb kommt es auf jede Stimme an."

Dem neuesten ZDF-Politbarometer zufolge könnte die seit fünf Jahren in Hessen regierende schwarz-grüne Koalition nicht ohne zusätzlichen Partner weiterregieren. Würde bereits jetzt gewählt, dann erhielte die CDU laut Umfrage 28 Prozent (2013: 38,3) und die SPD 20 Prozent (2013: 30,7). Die Grünen erreichen demnach ebenfalls 20 Prozent (2013: 11,1), die AfD 12 Prozent (2013: 4,1), die FDP 8 Prozent (2013: 5,0) und die Linke ebenfalls 8 Prozent (2013: 5,2).

Nach diesen Zahlen käme von den politisch denkbaren Bündnissen lediglich eine Regierung aus CDU, Grünen und FDP auf eine sichere Mehrheit im Landtag, heißt es in der Analyse der Forschungsgruppe Wahlen. Die amtierende Regierung aus CDU und Grünen stünde auf der Kippe, ebenso wie eine Koalition aus CDU und SPD, eine Koalition aus SPD, Grünen und FDP oder Rot-Rot-Grün. Allerdings wissen nach der Umfrage 39 Prozent der Bürgerinnen und Bürger noch nicht sicher, wen oder ob sie wählen wollen.