Kurz vor der Landtagswahl in Hessen hat der Parteichef der Grünen, Robert Habeck, die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisiert. Die Bundesregierung habe im Sommer 2015 nach dem Prinzip "Kopf in den Sand" gehandelt, sagte Habeck der Bild-Zeitung.

Bereits vor 2015 sei der Krieg in Syrien eskaliert und die Situation in den Flüchtlingslagern immer dramatischer geworden, sagte der Grünen-Vorsitzende. Doch die Bundesregierung habe Warnungen ignoriert und "das Land nicht vorbereitet". "Sie hat versäumt, die Behörden personell, finanziell und strukturell so zu stärken, dass sie geordnete Verfahren für eine humanitäre Aufnahme durchführen können."

Merkel hätte sich außerdem in der Europäischen Union für eine Alternative zum Dublin-Verfahren einsetzen müssen, weil "das System offenkundig weder fair war noch funktionierte", so Habeck. "Dieses Auf-Sicht-Fahren ist das Problem." Nach der Dublin-Regelung müssen Flüchtlinge in dem Land registriert werden, in dem sie zuerst EU-Boden betreten. Bei einer Flucht über das Mittelmeer waren das vor allem Griechenland, Italien, Malta und Spanien. 

Im April hatte Habeck in einem Interview mit ZEIT ONLINE und ZEIT Magazin schon von einem "Managementfehler" der Bundesregierung im Sommer 2015 gesprochen. Es sei zwar menschlich wie geopolitisch richtig gewesen, die etwa 30.000 Flüchtlinge, die sich im Budapester Bahnhof befanden, aufzunehmen. "Die Bundesregierung hat vergessen oder versäumt zu sagen: Es ist eben einmalig", sagte Habeck. Dieser "vergleichsweise kleine Fehler" habe große Auswirkungen gehabt.