Nach der britischen und der niederländischen Regierung hat nun auch die deutsche Bundesregierung schwere Vorwürfe gegen Russland wegen Hackerangriffen erhoben. Sie gehe "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass hinter der Kampagne APT28 der russische Militärgeheimdienst GRU steckt", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. APT28 wird hinter den Hackerattacken auf den Bundestag und das Datennetzwerk des Bundes vermutet.

"Diese Einschätzung beruht auf einer insgesamt sehr guten eigenen Fakten- und Quellenlage", sagte Seibert. Die Regierung habe "volles Vertrauen" auch in die Einschätzung der britischen und niederländischen Behörden.

"Wir verurteilen derartige Angriffe auf internationale Organisationen und auf Einrichtungen unserer Verbündeten auf das Schärfste. Und wir fordern Russland auf, seiner Verantwortung gerecht zu werden und derartige Handlungen zu unterlassen", sagte Seibert.

Liste mit Hackergruppen des GRU

Die Vorwürfe des Westens werden immer umfangreicher: Am Donnerstag hatten die USA sieben Agenten des russischen Militärgeheimdiensts GRU unter anderem wegen der Hackerattacke auf die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada angeklagt. Niederländische Behörden gaben bekannt, einen Versuch von GRU-Agenten vereitelt zu haben, sich in das Computernetz der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) zu hacken. Sie dokumentierten die Vorwürfe ausführlich: Nach Angaben der Ermittler wollten die GRU-Agenten im April ins WLAN-Netz der OPCW eindringen. Die Organisation untersuchte damals Chemiewaffenangriffe in Syrien sowie die Nervengiftattacke auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Julija in Großbritannien.

Aus den ausgewerteten Gerätedaten gehe zudem hervor, dass auch Hackerattacken in der Schweiz und auf die strafrechtliche Untersuchung zum Abschuss des Passagierfluges MH17 geplant gewesen seien, hieß es. 

Zuvor hatte die britische Cyberabwehr eine Liste von Hackergruppen veröffentlicht, hinter denen "so gut wie sicher" der GRU stehe. Darunter ist auch APT28, die den Bundestag 2015 angegriffen haben soll. Dabei verschafften sich die Hacker so weitreichenden Zugang, dass die Bundestags-IT ausgetauscht werden musste. Bei dem im Februar bekannt gewordenen Angriff auf das Datennetzwerk des Bundes hatten Spione unter anderem das deutsche Außen- und das Verteidigungsministerium attackiert. Dabei sollen sie auch Daten erbeutet haben. Hinter diesem Angriff wurde nach früheren Angaben aus deutschen Sicherheitskreisen auch die Hackergruppe Snake vermutet, die ebenfalls dem russischen Geheimdienst zugerechnet wird.