Die Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum schrittweisen Rückzug aus der Politik hat in den Nachbarländern Respekt hervorgerufen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete den Schritt der Kanzlerin als "äußerst würdevoll". Die Kanzlerin regiere Deutschland "mit viel Mut", sagte Macron. Er empfinde "Bewunderung" für Merkel. Besonders hob er ihr Eintreten für Europa hervor: "Sie hat niemals vergessen, was Europas Werte sind."

Angesichts des Aufstiegs rechter Kräfte in Deutschland und anderswo in Europa habe Merkels Entscheidung allerdings "nichts Beruhigendes", fügte der Präsident hinzu. Namentlich nannte er die AfD. "Ich sehe das als europäisches Phänomen, nicht nur als deutsches", fügte Macron hinzu. Gerade in Frankreich sei die Rechte besonders stark.

Auch Polen würdigte Merkels Entscheidung und kündigte eine Zusammenarbeit bis zum Ende ihres Mandats an. Polens Außenminister Jacek Czaputowicz begrüßte ausdrücklich Merkels Ankündigung, auch nach dem Verzicht auf den CDU-Vorsitz bis 2021 Bundeskanzlerin bleiben zu wollen. "Das Wichtigste für uns ist die Erklärung, dass Frau Merkel bis zum Ende ihres Mandats Kanzlerin bleibt", erklärte Czaputowicz.

Warschau erkenne Merkels "wichtige Rolle" bei der Reform der EU ebenso an wie ihren "wichtigen Platz in der Geschichte der Europäischen Union in den vergangenen Jahren", erklärte der Minister der rechtsnationalen polnischen Regierung. Zudem hob er die stabilisierende Rolle der Bundeskanzlerin in der EU hervor. Am Freitag reist Merkel mit mehreren Kabinettsmitgliedern zu den deutsch-polnischen Regierungskonsultationen in die polnische Hauptstadt Warschau.

US-Regierung sieht Rückzug als "interne Angelegenheit"

Das Weiße Haus bewertete die Entscheidung von Merkel als "interne Angelegenheit für die Kanzlerin und das deutsche Volk". Sprecherin Sarah Sanders kündigte an, dass die Regierung von Präsident Donald Trump weiter mit Merkel zusammenarbeiten und "diese Beziehung fortentwickeln" wolle. Näher äußerte sie sich zu der Entscheidung Merkels nicht.

Auch ausländische Medien befassten sich mit Merkels Rückzug. In der britischen BBC heißt es: "Viel hängt von ihrem Nachfolger als Parteichef ab. Wenn es ein Getreuer ist, könnte Deutschland einen sanften Übergang zu einem neuen Kanzler erleben, was Merkel vielleicht ermöglicht, ihre Legislatur zu Ende zu bringen. Aber die Geier kreisen schon." Sollte ein Merkel-Gegner Parteichef werden, werde ihre Kanzlerschaft unangenehm oder sogar unhaltbar.

Der britische Guardian bezeichnet Merkel als "Symbol der Stabilität und Kontinuität". Der Verlust einer Kanzlerin, deren Mischung aus Prinzipien und Pragmatismus ihr Land und die EU durch die Finanzkrise von 2008 und die folgende Eurokrise, den arabischen Frühling, Russlands Aggression in der Ukraine und Europas Migrationskrise geführt haben, werde eine Lücke hinterlassen.