Jüdische AfD-Mitglieder haben sich in Wiesbaden zur Gruppe Juden in der AfD (JAfD) zusammengeschlossen. Der Verein bestehe aus 24 jüdischen Gründungsmitgliedern, sagte Wolfgang Fuhl, stellvertretender Vorsitzender der neuen Gruppierung und Vorsitzende des AfD-Kreisverbands Lörrach. Zur Vorsitzenden der neuen Gruppe wurde Vera Kosova, AfD-Bundestagswahlkandidatin aus Nürtingen, gewählt.

Eine vorab bekannt gewordene Grundsatzerklärung nennt vor allem zwei Auslöser für die Gründung der Gruppe: zum einen eine "unkontrollierte Masseneinwanderung" junger Männer aus dem "islamischen Kulturkreis" mit "einer antisemitischen Sozialisation" sowie die "Zerstörung der traditionellen, monogamen Familie" durch "Gender-Mainstreaming" und "Frühsexualisierung". Das Verhältnis zu Israel wird ausschließlich mit Blick auf die Bedrohung durch den radikalen Islam erwähnt. 

Viel Kritik an Juden in der AfD

Die geplante Gründung der JAfD war im Vorfeld auf Kritik gestoßen. In einer gemeinsamen Erklärung (PDF) hatten insgesamt 17 jüdische Organisationen, darunter der Zentralrat der Juden in Deutschland, die AfD unter anderem als rassistische und antisemitische Partei bezeichnet. AfD-Mitglieder sind schon mehrfach durch antisemitische und holocaustrelativierende Äußerungen aufgefallen.

Der religionspolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Bundestag Volker Münz wehrte sich gegen die Kritik. Ihm zufolge widerspreche es der Demokratie, wenn die Organisationen Juden vorschreiben wollten, welcher Partei sie sich anschließen dürften, sagte Münz im Deutschlandfunk. In der Grundsatzerklärung der JAfD heißt es, dass der Einfluss von "Antisemiten wie Wolfgang Gedeon" in der AfD "maßlos überschätzt" werde. Der baden-württembergische Landtagsabgeordnete Gedeon relativierte unter anderem das Ausmaß des Holocausts auf wenige Zehntausend Opfer. Der Versuch, ihn aus der AfD auszuschließen, scheiterte. 

"PR-Strategie der AfD"

Unions-Fraktionsvize Stephan Harbarth bezeichnete die Gründung der JAfD als "Heuchelei". Er sagte der Bild am Sonntag, dass die AfD nationalsozialistische Verbrechen systematisch kleinrede. "Wer den Holocaust einen 'Vogelschiss' in der deutschen Geschichte nennt, bekämpft nicht den Antisemitismus, sondern verhöhnt dessen Opfer, und er steht ganz sicher nicht an der Seite der Jüdinnen und Juden", sagte Harbarth. Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden Charlotte Knobloch betonte im Spiegel, dass die AfD trotz dieses Vorgehens judenfeindlich sei. Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor bezeichnete die Gründung als "Trauerspiel" und plädierte in einem Gastbeitrag für t-online.de dafür, den Vorgang nicht zu überhöhen. In einem Gastbeitrag für die Deutsche Welle  schreibt der Theologe und Autor Armin Langer, dass eine Allianz zwischen Juden und Rechtspopulisten langfristig nicht funktionieren könne. Als "PR-Strategie der AfD" bezeichnete Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, die Vereinigung.

Im Rahmen der Gründung der JAfD kam es außerdem zu Demonstrationen gegen die Vereinigung. "Ihr bekommt keinen Koscher-Stempel von uns", sagte Dalia Grinfeld, Präsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD) während einer Kundgebung in Frankfurt. Laut ihr könnte niemand, der jüdisch sei, der AfD ohne Widerspruch angehören. "Eine Partei, welche die Basis von jüdischem Leben aus Deutschland wieder einmal verbannen will, kann unter keinen Umständen judenfreundlich sein", sagte sie. Nach Angaben der Polizei nahmen an der Kundgebung rund 250 Menschen teil.