Einsatzkräfte der Polizei haben Wohnungen von Mitgliedern der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative (JA) in Bayern durchsucht. Die Aktion richtete sich gegen sechs Beschuldigte, darunter den Landtagswahl-Kandidaten Rafael Hauptmann, wie die JA mitteilte. Hauptmann schrieb auf Facebook, die Ermittler hätten "sämtliche Kommunikationsgeräte so wie etliche Kleidungsstücke" mitgenommen. Laut Staatsanwaltschaft wurden sechs Objekte in Bayreuth, Augsburg, Amberg und im Landkreis München durchsucht.

Hintergrund ist eine Aktion des Jugendverbandes vor der CSU-Parteizentrale: In der Nacht zum vergangenen Sonntag hatten JA-Mitglieder auf dem Vorplatz des Gebäudes im Münchner Norden nach eigenen Angaben mit Sprühkreide die Namen angeblicher Opfer von Migranten geschrieben und rotes Kunstblut verteilt. Sprühkreide ist üblicherweise abwaschbar. Die Staatsanwaltschaft hatte von Amts wegen Ermittlungen wegen Sachbeschädigung eingeleitet.

Die Aktion ähnelt vom Charakter her jenen der völkischen Identitären Bewegung, die der Verfassungsschutz beobachtet. Deren Aktivisten hatten schon die CDU-Zentrale in Berlin besetzt, in Halle mauerten sie das Wahllokal einer Migranten-Probewahl zu. 

Als Grund für die Aktion nannte die AfD-Nachwuchsorganisation, Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und die bayerische CSU hätten sich "zu Komplizen" von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gemacht, "an deren Händen Blut klebt". Sie bezieht sich damit auf die Migrationspolitik der Bundesregierung. Die AfD und die JA werfen der Kanzlerin vor, für Gewalttaten verantwortlich zu sein, die Migranten verüben.

Die CSU-Spitze, insbesondere Innenminister Horst Seehofer, hat in der Migrationspolitik an mehreren Stellen Differenzen mit Merkel, etwa in der Frage einer Obergrenze für Flüchtlinge oder der Zurückweisungen bereits anderswo in Europa registrierter Flüchtlinge an der deutschen Grenze. 

Der Bundesvorsitzende der Jungen Alternative, Damian Lohr, sprach von einem "Skandal". Der CSU warf er vor, die Sicherheitsbehörden zu missbrauchen, um JA-Mitglieder, "die im bayerischen Wahlkampf Gesicht gezeigt haben, einzuschüchtern".  In Bayern wird am Sonntag der Landtag gewählt. Die AfD steht in Umfragen bei etwa zehn Prozent. Die Werte sinken seit mehreren Monaten.